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Goethe und Werther : Briefe Goethe's, meistens aus seiner Jugendzeit ; mit erläuternden Documenten
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die Beschreibung von Jerusalems Tode erst später nachseiner Trennung von den Freunden erhalten. Seine selbst-mörderischen Gedanken kommen auch nur in den früherenunserer Briefe vor, nicht aber in der Zeit der Heraus-gabe des Werther.

Wenn wir in unfern Papieren erkennen, wie hochLotte, Kcstner und Goethe über den Personen stehen,die im Werther mit ihnen in Vergleich kommen, sotritt uns auf eine merkwürdige Weise das Verhältnißdes Dichters zum Menschen vor Augen. Goethe fand, durchseine Stellung unter ihnen, noch höhern Anlaß, alsjene, seinen Werth als Mensch erkennen zu lassen. Tenndaß ein Mädchen von dem glücklichsten Naturell undgediegener Erziehung, dem würdigsten Mann die seit Jahrenbefestigte Treue bewahrt; daß dieser Mann, mit der Un-schuld seines Charakters, in die Redlichkeit seiner Brautsowohl, als eines Freundes, dessen Freundschaft er sicherwar, unbeschränktes Vertrauen setzt, sind die gewöhn-lichsten Dinge, im Vergleich mit einer Liebe, die so groß,so stark, und so schön ist, daß sie ihm zur redlichstenund heidenmäßigsten Entsagung die Kraft gab, und ihn,der Verzweiflung nahe, vom Liebenden in den reinstenFreund verwandelte. Diese schöne Erscheinung ist fremddem Romane. Die Welt hat entschieden, das Gedicht seidas schönste seiner Art. Noch schöner aber, sehen wir,als die Dichtung war das Leben; ja in so hohem Grade