Liebenswürdiger waren zwei andere Momente feinesUnwillens (Nr. 57 und 65), welche in diese Zeit fallen:das einem«! betrübt es ihn, daß die Brautleute einenAnderen als ihn mit der Besorgung der Trauringe be-auftragt, das anderem«!, daß die Neuvermählten nichtauf seine Einleitung nach Frankfurt kamen. Er trautesich zu, den Freund im Vollgenusfe des Glücks sehenzu können, das er bitter entbehrte, während diesem seinTriumph, der den Freund schmerzte, nicht lieb war.
Am Palmsonntage 1773 ist die Hochzeit gewesen,und von dem Briefe Nr. 76, und weiter, gehen die Briefean Kestner nach Hannover. Die Schlußzcilen dieses Brie-fes scheinen die psychologische Erfahrung zu bestätigen, daßdie Einbildungskraft von dem geliebtcsten Abwesenden nurvereinzelte Theile gibt, während sie von weniger thcurenMenschen, und besonders von den Gleichgültigen, frei-gebig das ganze Bild vollendet vor die Augen führt.
Ueber ein Jahr später als diese Periode war es,als ein ernstlicheres Mißvcrständniß über den Wertster ent-stand , welches den Gegenstand mehrerer Briefe ausmacht.Ein wunderbarer Zufall wollte, daß Kestner, den cSdrückte, sich und seine Lotte durch einen Anschein ihrerPersonen in dieses Gedicht verflochten zu fiudcn, gleich-wohl selbst, ohne etwas zu ahnen, an dem Roman mithat schreiben müssen. Jerusalem hatte bei einem derwenigen Besuche, die er jemals Kestnern gemacht, ein