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Goethe und Werther : Briefe Goethe's, meistens aus seiner Jugendzeit ; mit erläuternden Documenten
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Zcugniß der hohen Eigenschaften ab, die allein es möglichmachten, einer so schweren Stellung sich würdig zu ver-halten. Und hatte wohl Kestner Goethen zunächst nurseinen klaren Verstand, seine Wärme sür das Gute undSchöne, und seine redliche Liebe zu geben, so warensie in der glücklichen Jugendzeit, wo selbst wenigereSeelenbezüge, dasern sie nur wesentlich sind, Freund-schaft und Brüderlichkeit begründen. In Lotten gediehdie jungfräuliche Würdigkeit, die aus dem Beispiel derZucht edler Mütter in dem Wesen der Töchter cmpor-wächst, noch zu höherem Adel durch ihre individuelleNatur uud ihre Lage. Geschaffen für die Wirklichkeitdes Lebens, und zwar dessen heiterste Seite, war durch-aus kein sentimentales Element in ihrem Charakter, undwo die Lotte im Werther mit romanhaften Ideen be-schäftigt, wo sie gar tändelnd dargestcllt wird, warendie Züge nicht aus ihrem Leben genommen. Aber hätteauch, in Empfindungen zu leben, in ihrem Charakter-gelegen, so hätte diese Neigung den mütterlichen Sorgenweichen müssen, die sie als achtzehnjähriges Mädchensich auflud; denn zehn lebhafte Kinder tobten um sicher, den ganzen Tag. Das glückliche Zusammentreffenihrer zufälligen Bestimmung mit ihren natürlichen An-lagen, erhob um so mehr ihre jugendliche Schwungkraft.Die häusliche Macht einer Mutter handhabend, warsie ein Mädchen an Frohsinn und Lebendigkeit. Die