Druckschrift 
Goethe und Werther : Briefe Goethe's, meistens aus seiner Jugendzeit ; mit erläuternden Documenten
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

7

Mutter und Tochter näher kennen, und zugleich ihn selbst,der in seiner Freude an denen, die er schildert, vor unssteht. Im Werther, im letzten Briefe des ersten Bklchs,hat Goethe dieser seltenen Frau, indem er die Tochterreden läßt, ein Denkmal der Verehrung gesetzt, eineScene schildernd, die aus dem Leben genommen ist.

Im Jahr 1770 ward diese glückliche Familie deredlen Mutter beraubt, und Lotte, gleich als hätte eineFamilicnwahl es entschieden, erbte die mütterlichen Sorgenfür zehn Kinder.

Vom Jahr 1768 bis 1772 hatte Kcstner, als glück-licher Verlobter, den Frühling seines Lebens genossen,als er, durch Goethe's Bekanntschaft, den Werth seinerGeliebten noch höher erkennen mußte. Goethe, der in iWetzlar den Proceß des Reichskammergerichts studircn!sollte, und Kestner, der bei reichlichen Amtsgeschäftenseine Welt in einem einzigen Hause gefunden, wareneinander noch nicht begegnet, als Götter, einer seinerFreunde, sie eines Tages in dem Dorfe Garbenheim,(im Werther Wahlheim genannt,) einem Vergnügungs-orte unweit Wetzlar, zusammcnführte. Dieser Begegnungverdanken wir die von Kestner hingeworfene CharakteristikGoethe's (Nr. 1 unserer Documente).

Kurze Zeit darauf machte Goethe mit Lotten Be-kanntschaft auf einem Ball, (welcher im Werther zurSchilderung der ersten Begegnung Werthers mit Lotten,