Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
439
Einzelbild herunterladen
 

kann, sie ist so verzehrt, daß man sie kaum kennt; sie schläftoder hustet, und wenn es so abzehrend zunimmt, so kann baldnichts mehr übrig sein. Ich habe daher sehr viel Muße undsehe sie nur etwa Morgens eine Viertelstunde, meinen Fadender Bilder aus dem Leben Jesu oft nur wie eine Reiseroutemit ein paar von Husten unterbrochenen Worten aufzufassen.Ich habe ihn bis jetzt nur selten auf einen Tag verloren, undwas mich freut, ich habe durch die eintretenden jüdischen Fastenund Festtage, die an bestimmten Monatstagen sind, jetzt seitdem Laubhüttenfest im ersten Lehrjahre Christi, welches immerden 14. Tisri anhebt, bis auf heut' das Berhältniß jener Zeitzu der unsrigen. Im Geburtsjahre Christi ist es anders; auchtreffen seit dem Laubhüttenfest alle Feste richtig ein, undmanchmal mit ganz unbekannten Notizen.

Nun habe ich noch eine kleine Bitte an Dich, die Du nichtvergessen mußt, weil sie so ganz hinten steht; es ist für diehiesigen Armen. Kannst Du mir nicht bei den Geschwisternetwas alte Kleider, Lappen, Flecken und Leinwand zusammenbetteln? Die arme Kranke hat gar nichts mehr auszutheilen,sie zerreißt und färbt ihre Bett-Tücher, und es ist dergleichen ihreeinzige Freude. Ich schaffe zwar, wo es Noth thnt, Neues an,aber die Auswahl und das besonnene Benutzen des Alten scheintmir ihr Freude zu machen. Halte, lieber Christian, doch einmaleine solche Blumenlese, Du machst mir und ihr und vielenarmen Kindern eine Freude damit. Die Geschwister werdengern etwas beitragen. Hier ist Nichts mehr.

Jetzt ist es all'. Bleibe mir gut, sehr gut, bet' für michzu unserem liebsten Heiland und zum Vater und Geist und derlieben Mutter Maria.

Dein treuer

Clemens.