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1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
435
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den großen Umfang, aber auch die Untiefe eines Bibliothekar-talents besonders finde. Ich zweifle nicht, er würde als Hof-meister Kind und Eltern in hohem Grade angenehm werden, undohne die gewöhnlichen Mängel der Erzieher alle mittlerenFrüchte derselben bringen. Ob er die tiefere Weisheit, denheiligen Geist der Besten dieses Standes hat, weiß ich nicht.

Sollte dieser noch unversuchte, in abhängiger, angestrengterThätigkeit, unter den Wachen der Armuth und des Danks bisjetzt gehütete, junge, liebenswürdige, anmuthige Mensch, der nichtwenige Fühlhörner hat, in anderer Nahrung, anderem Umgang,Überfluß, Eleganz, in seinem gesunden zwanzigsten Jahre, beialler seiner Unschuld nicht in Versuchung, Kämpfe fallen? Jaich glaube, daß selbst ein heutzutagiges akademisches Studiumbei seiner überwiegenden Wißbegierde ihm sehr am Glaubenschaden könnte. Wird er nicht vielleicht ganz von seiner Bestim-mung zum Priesterstand abwendig werden, oder ihn dann nurgelehrter, zerstreuter, unbefriedigter antreten? Wo führen dieWissenschaften jetzt zur Kirche? Freilich ein Mann wie Widmerkönnte ihm den Weg zeigen. Wo sind solche? In Bonn müßteer sich an Windischmann dicht anschließen! Er freut sich schonauf Grotefend. In Frankfurt müßte er sich an Fritz Schlosseretwa halten; aber die Theologie, wo bleibt sie? Er wünschtbesonders sich noch in neueren Sprachen zu fördern.

Man ist nur zu geneigt, einem Menschen Lust und Freudeund Ersättigung edler Begier zu gönnen und zu fördern, darumwünschte ich sehr, er möchte dem guten G. und seinen Kindern

*) Der junge Man», von dem hier die Rede ist, trägt jetzt das Kleid einesstrengen Ordens, nachdem seine edle, vielseitige Natur das Ungenügendejedes Berufs, auch den des Priesters, wenn er nicht ganz losgelöst vonder Welt in der Welt zu leben vermag, empfunden, und ist seit einigenJahren von seinen Brüdern als Abt gewählt.

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