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Äu seinen Bruder Christian.
Minien den 11. My 1822.
Ich freue mich, daß Du noch lebst und daß ich den Ortkenne wo. Ich habe auf Deinen Brief*** gebeten, herüber zukommen u. s. w.
Meine Privatansicht in dieser Sache stelle ich hier nur nochauf, damit ich sie nicht verschwiegen habe, denn sie könnte einstensals nicht gesagt, Gutes verhindert haben. Wenn *** seinejetzige Bahn fortwandelt, nimmt ihn sehr bald Altar und Schulein Besitz an der Seite eines sehr treuen, kindlichen, ernsten,frommen und älteren Freundes, in der Nähe eines beruhigten,getrösteten, lang betrübt gewesenen, armen Mutterherzens; erkann seinem jüngeren wißbegierigen Bruder aufhelfen und seinearme niedergedrückte, taube Schwester anfrichten, und die Schmachseines Vaters durch seinen Priester- und Schulwandel unter denAugen seiner Mitbürger tilgen. Der Kreis ist eng, aber er istanmuthig und voll Segen und Frucht und Pflichterfüllung. Erist auch geschützt gegen Versuchung durch Arbeit, Mäßigkeit,Aussicht und Umgang. Die Leute dort sind sittenrein und frommund katholisch. — Dieser Mensch ist bis jetzt nur als wißbe-gierig, emsig, gewandt, geschmeidig, besonnen, bequem, gefällig,dienstfertig, angenehm und unterthänig geprüft; lauter Secun-dantentugenden, welchem Herrn sie dienen, muß die Versuchunglehren. Ich habe in längerm Umgang mit ihm zwar nichtsIrreligiöses, aber auch keine religiöse Innigkeit an ihm entdeckt;
bei E. in einer halben Stunde mehr, als dort in acht
Tagen, die er bei mir war, wozu er doch bei seinem Secundireneinige Veranlassung gehabt hätte. Das Bischen Literatur nahmihn auch hier in Besitz. Alles ist Anstand, Geschmack, Anmuthund Sitte, und ich meine mich nicht zu irren, wenn ich in ihm