Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
431
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CajuS Stolberg war vor einigen Wochen Nachts durch-reisend bei mir, er ging in Familiengeschäften nach Paris.

Wesener hat bis jetzt noch keinen Verdruß über sein Buchgehabt, sogar ein Belobungsschreiben von Hardenberg und einDankbillet von Wiebel dem Leibarzt, der noch immer ganzhuman nach der Emmerich fragt und nach N's Aussage auchin Berlin gut von ihr sprechen soll. Romberg hat hier gesagtes sei ein Rescript von Berlin gekommen, aus ihren Akten gehekein Betrug hervor und man solle sie in Ruhe lassen. Ob siees geheim halten, es verlautet nichts davon.

Melchior hat mir dreimal recht liebevoll von Regensburggeschrieben; es geht ihm auch da wieder hart ein was undwie die Herrn lehren. Als er es auf ihre Fragen ihnenerklärte, zweifelten sie anfangs an seinem Beruf und nun, dasie ihn sehr fromm sehen, an seiner Fähigkeit. Sailer tröstetihn täglich.

Mit meinen Arbeiten geht es nach wie vor sehr schwer;an Ordnung für mich ist mehr verloren als gewonnen, und ichhabe oft sehr betrübte Stunden. Gott helf!

Nun, lieber Bruder, weiß ich nichts mehr, als gedenkemeiner herzlich, eifrig im Gebet; ich führe ein freudenlosesLeben, aber welche Gnade vom Herrn! Er hat mich dochnicht in meinen Sünden Hinsterben lassen, und hat mir dochEtwas zu thun gegeben, was ich kann und Niemand thun will.Vergiß Deinen armen Bruder nicht bet' für ihn, schreib'ihm, theile ferner mit ihm. Gelobt sei der Herr um seineBarmherzigkeit an Dir und mir.

Leb' wohl, stirb selig, mein lieber Bruder!