An eine Mgere Freundin.
Minen, MHIing 182il.
- — Daß sie *) täglich oft und herzlich für Dich im Stillen
betet, weiß ich. Möge Gott sie erhören, auf daß Du nach allenSeiten harmonisch entwickelt, ganz bewußtlos, ohne Spannungund Kampf, aufrichtig, kindlich, einfältig, und treu und wahrhaft,eine Wohnung, Werkstätte und Tempel des heiligen Geisteswerden mögest. Der Heiland hat mit seiner ganzen Menschheitgehandelt und gelitten, er hat den ganzen Menschen von denBanden des Fluches gelöst, auf daß er mit seiner Liebe in ihneingehend, ganz Frucht tragen könne. Alle unsere Fähigkeitensind wir schuldig zu erlösten Werkzeugen zu entwickeln, welcheam großen Werke der Reinigung und Einigung der verun-reinigten und zerrissenen Menschheit in Jesu arbeiten.
Die Liebe, sagt Johannes, sei das Größte, nur die größteLiebe aber ist die Liebe. Sie opfert sich, selbst und alles dasIhrige — das heißt: sie liebt. Sie will nicht selbst ein Mittel-punkt, ein Gipfel der Dinge sein, sic will, daß Alles Eineswerde in dem, der in seinem Leiden, in seinem Fleisch undBlut, die Reinigung und Nahrung Aller zu einem Leibe hatwerden wollen. Die Liebe also sonnt sich unter'm Kreuze, undvon Jesu Blut begossen wird sie eine Pflanze, ein Baum, vonder Wurzel bis in die Spitze heilend und arbeitend, für die,für welche Jesus am Kreuzbaume Frucht getragen.
So viele Arten der Marterwerkzeuge das Fleisch derHeiligen zerrissen, so viele Arten'des Leidens es gibt; so vieleArten des Handelns, so viele Werkzeuge des Trostes und Heikensgibt es auch. So wie die Märtyrer ihren Leib allen diesen
°) Die sel. Emmerich.