Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
410
Einzelbild herunterladen
 

410

beobachtet habe. Ob das Verdienst so treuer Arbeit, oder jenesVerdienst größer ist, durch welches sie dieses wunderbare Sehenaller Bedürfnisse in den Seelen, und dieses Kennen aller Mittel,von Gott erhalten hat, getraue ich mir nicht zu entscheiden. Ichkann nur sagen, und mit voller, ruhiger Überzeugung: in denGeschichten aller begnadigten Seelen, deren ich eine mannich-faltige Menge kenne, ist mir keine so begnadigt, und auch keine soverwahrlost, so vernachlässigt, so gestört und versucht erschienen.

Aber ich fahre in Gottes Namen fort die Rosen aus denDornen zu brechen, die muthwillig zerstreuten Blätter aufzulesen,und denen, welche ein leichtsinniger oder tölpischer Wind hinweht,nachzuweinen.

Was die Leiden und das Befinden der Kranken in derletzten Zeit angeht, scheinen jene zwar äußerlich größer unddieses abwechselnder geworden, und fanden vielleicht Andere inihrer Nähe die Noch größer, weil man auch an Lambert Handanlegen mußte; ich aber finde sie im Ganzen viel besser undstärker mit Reflexion auf ihre erschwerte Lage.

Es ist wahr, sie hat viele wunderbare Krankheitszustände,als einzelne Arbeiten für den Seelenzustand ihres sterbendenFreundes, in einer Ausdehnung bis zu allen Todessymptomendurchgearbeitet; diese aber erschrecken mich nicht mehr, seit ichihren Gang und ihre Vollendung theilweis voraus bemerke,theils nachher erfahre. Das einzige Lebensgefährliche sonst warder curiose Gedanke, diese geistlichen Arbeitserscheinungen anihrem Körper mit der kurzsichtigen, ja blinden Arzneiwissenschaftkuriren zu wollen; ein Verfahren, welches allen Personen diesesZustandes, namentlich der Catharina von Bononien, die größteMarter gekostet u. s. w.