Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
375
Einzelbild herunterladen
 

Vertretung ihrer Person begründet; sie hoffte aber, es könne durchdieselbe das Persönliche, Unrechtmäßige in ihren Bedrängern imSchach gehalten werden. Immer hoffend, es werde eine solcheAufnahme erfolgen, ward sic durch manche indirccte, auchpriesterlichc Aufforderungen gedrängt, die Ereignisse jener Tageihrem Arzte zur Aufzeichnung zu erzählen. Sie that dieses sehrungern, und fühlte sich daher dieselben immer von demselben,wie sie sich ausdrückt, ausgelockt, und befürchtete nicht ohneRecht, es möge sich Lurch die Art seiner Aufzeichnung einegewisse Bitterkeit in diese Darstellung mischen, welche ihremGewissen nothwendig drückend ist.

So bedrängt sie nun eine neue Sorge, sie möge sichvermittelst eines Andern versündigt haben. Da nun ohne

ihren reinen Willen ihr eine solche Darstellung ihrer Leidenabgedrungen worden, welche ihr in ihrer Seele beunruhigend ist,so sehnt sie sich fortwährend, es möge ihr von Seiten dergeistlichen Obrigkeit der Befehl zukommen, die Geschichte ihrerBedrängniß aufzcichnen zu lassen, und zweifelt dann nicht, daßihr der heilige Geist beistehen werde, dieselbe so mitzutheilen,wie cs sich einer Christin, und Jesu, in der Kirche der Versöh-nung geweihten Seele geziemt; denn nur im Gehorsam kann siesich erlauben, ohne innere Qual von dergleichen zu sprechen.Auch der Hochwürdige Herr Dechant Nensing, welchem ich dieseihre Beunruhigung mitgetheilt, glaubte, daß eine solche Aufnahmefür die Ruhe der Kranken und die kirchlich-historische Würdeund Wahrheit in dieser Sache, es sei für die Gegenwart oderZukunft, gleich nützlich werden dürfte, und es steht außerZweifel, daß derselbe beauftragt, diese Aufnahme gewissenhaftveranlassen würde. Ein Aktenstück konnte so gewonnen werden,aus welchem Alle, denen diese Leidende durch Amt oder Antheilje merkwürdig sein konnte, die Geschichte geistlicher Zustände inunserer Zeit kennen lernen würden.