An Dieselbe.
Freitag am Lnembrr ^>8)8,
Morgens um 9 Uhr.
Meine liebe Schwester!
Die Wundmale Jesu bluten reichlich, Hände und Füßezittern von der Pein der Durchbohrung; aber das Herz und dieSeele sind freudig, kindlich, ja muthwillig im süßen Bewußtseinder Gemeinschaft mit Jesu Christo, und ich schreibe Dir ihreWorte nieder, gleich nachdem sie dieselben gesprochen.
„Die Brust muß leer sein, um voll zu werden, alles Eitlemuß aus ihr heraus, und dann erst kann Jesus herein; aberman muß ausräumen, will man ihn einziehen lassen, man mußsich selbst regieren. Wenn der Mensch zu Jesus will, macht derTeufel ihm das Herz oft voll böser Begier; aber er mag sichdrehen und wenden, wie er will, er wirdtlseinen Willen nicht zuGottes Willen machen, welcher will, er solle ihm Nachfolgen,wenn er ihn wirklich erkannt hat und geliebet. —
„Gott zeigte mir viele Seelen, di? seine Perlen vor dieSchweine warfen. O, du unendliches Elend, diese unendlicheLiebe des Herrn und diese blinden Elenden, welche alles, waser an ihnen that, mit Füßen treten, und aus seinem Reich andas gemeine thierische Leben hingeben. Ach, und da habe ichmeinen himmlischen Bräutigam so betrübt und leidend gesehenum die, die ihm ungetreu werden, und die er so weit, so weitherrlich geführt hatte! Und das zerreißt mein Herz so, da mußich so bitterlich weinen.
„Siehe meinen himmlischen Bräutigam, o, er ist so lieb, solieb, so unendlich gütig und herrlich und süß; ach, und er hatalle diese Seelen gewollt und hat sie sich ausgeschmückt, und nunwollen sie ihn nicht mehr. Sieh', drum muß ich so weinen.Ach, weine nicht mit, lass' mir alle Deine Trauer, lass sie alle