Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
311
Einzelbild herunterladen
 

ach, ich Hab' sie auch hinterm Rücken, nun ist es mir so leicht."Ich ward heftig bewegt und bereute ohne Worte in Thränen,und sie drückte mir ihr Handcrucisix an die Lippen, und sagte:Ach, fasse Muth, sei nicht so traurig, der hat für Dich genuggethan, der nimmt alle Schuld hin, so Du glaubest. Dubist ja nicht so bös, wie könnte ich Dich sonst so lieben? Ach,ich könnte Dir Alles geben, was ich von Gott habe. Ach,könntest Du den Schatz, den unermeßlichen Schatz der Gnadesehen, der in der Kirche ist, Du würdest freudig Deine Sündenabwerfen und aus diesem Schatze Dich erquicken."

Dann begann sie wieder von der Gegenwart der MutterGottes zu reden, und sagte:Sieh', die liebe Mutter Gottes,die kennt wohl die armen Menschen, die führt sie zu Jesus, zuihrem Kinde, die bittet für Dich. Ach, da sind wir Alle soschön beisammen! Aber Gott, ach, die armen Sünder! ich kannsie nicht erreichen! Ach, wie sie fliehen, wie sie fliehen, und ichliebe sie doch so sehr." Ich will für sie beten, dachte ich.Ja, ach ja," antwortete sie

Ich hatte eine Reliquie, welche den Namen des heiligenClemens trug, bei mir, und legte sie in der schier nachtdunkelnStube auf ihre Brust. Sogleich ergriff sie dieselbe, hielt sie festin der Hand, und sagte:Das heilige Gebein will ich fragen,das ist nicht vom heiligen Clemens. Nun lass' mich ein wenig,ich will recht fragen, wo Clemens ist." Sie ward stille. Nunmußt Du wissen, daß ich ihr ein abgesondertes, bequemeresKämmerchen einrichten ließ, und daß sie ungefähr so (Zeichnung)liegt. An der Wand neben ihrem Bett zur Rechten läuft einBrett, auf dem ich ein Schränkchen mit dem Wachstuch über-ziehen ließ, das Du verschmähtest, weil Du es Deiner liebstenFreundin zugedacht, darin liegen ihre Bücher, und auf einerSchachtel, in welcher Band und Linnen liegt, Deine Lieder.Nach einem Schweigen von einigen Minuten sagte sie nochmals: