Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
287
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Hier unsere geistliche Freundin, mit den herrlichsten Seelen-gaben in der abgeschlossensten Einfalt und der ungestörtesten,reflexionslosen Andacht, außer allen Einflüssen der Cultnr, beiden Hansthieren im Stall geboren und in Feldarbeit erzogen,mit ununterbrochenem Glauben die bildende Seele der Betrach-tung der heiligsten Erscheinung im Leben des göttlichen Erlösershingebend, ist ein ungetrübter Spiegel seiner Gnade in dieserverwirrten, theilS zerrissenen, theils durchsichtigen Zeit geworden.

Jene *) gute Jungfrau war nicht in der Kirche, wenig inder Einsamkeit. Ihre großen Seelengaben sind von tausendzeitlichen Anregungen der Weltbildung in Anspruch genommenworden; zerreißende innere und äußere Leiden aller Art habensie bedrängt; sie ist auf alle Weise mitten in die Welt gestelltgewesen. So ist sie in einem.Alter von zwanzig Jahren zudem Ernst und der Sammlung einer Mutter und Lehrerin undFührerin jeder weiblichen Aufgabe gekommen, ohne dabei dengeringsten Schmuck eines kindlichen, jungfräulichen Gemüths auf-zuopfern, und neben diesen äußeren Zeugnissen der innern Har-monie hat sie von frühester Jugend an Jesum zärtlich geliebtund in ununterbrochenem Glauben und Vertrauen sich der beseli-gendsten Gebetserhörung theilhaftig gemacht, und alles das imGeheimniß ihres innern Lebens, in der verborgenen Kapelleihres Herzens, in welche mir Gott vergönnt hat, einen Blick zuwerfen, der mir erweckend und tröstend werden sollte.-

Vorübergehend an Allem, was mich hindern und irren kann,bleibt mir nichts übrig, als das Heil zu. befördern, wo ich esvermag, und ihm die Wege zu bahnen ohne Rücksicht. Waskann alle Erklärung und Beschreibung-hier nützen? Man vermag

') Ein der Gräfin znr Erzieherin ihrer Töchter empfohlenes Fräulein.