ganzes Zimmer umgibt, ohne ohnmächtig zu werden, und dochsagt sie lächelnd und freudig in ihrem Bett: „Ich liege aufeinem Throne, werft alles Elend auf mich, gebt mir Alles zutragen, laßt mich nur helfen, ich bin glückselig." Und doch istdiese ihre Lage so elend, als sie unter diesen Umständen nur zumachen ist.
Heute am 9. October Freitags sah ich Morgens alle dieWunderzeichen dieses armen, elenden Leibes bluten. Die Händehatte ich bis jetzt allein gesehen; ich hatte bisher die Neugiernach dem Übrigen nicht, und habe es auch heute mit Scheu undGrausen gethan; aber ihr Beichtvater bat mich darum, damitich doch ein wahrhaftes Zeugnis; ablegen könne. Das Lanzen-mal in der Seite, unter der rechten Brust, ist am rührendstenfür mich. Außer dem Kreuz auf dem Brustbeine hat sie, längerals sie sich entsinnt, auch ein großes, daumenbreites, rothbraunesKreuz auf der Magengegend, das nie Blut, sondern Wasserergießt. Es geht durch Mark und Bein, diesen elenden Leibso wunderbar versiegelt zu sehen, diesen Leib, der sich nur mitden Händen und Füßen bewegen kann, aber sich weder empor-zurichten, noch sitzend zu erhalten vermag, und darauf einen Kopfvoll Geist, Liebe, Innigkeit, Seligkeit und Freude, eine schnelle,hüpfende, freudige Rede, in beständigem Fluß und in ununter-brochener Begierde, zu trösten und wohlzuthnn. — —-
Christian und Sailer werden zwischen dem 16ten und 21stenhier, und den 27sten in Sondermühlen sein, ich wahrscheinlichmit ihnen, wenn ich mich von der lieben Emmerich trennenkann. Adressire die Antwort: Sondermühlen, bei der Gräfinvon Stolberg.
Gott mit uns!