Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
272
Einzelbild herunterladen
 

272

dreißig Personen, ein halbes Jahr hindurch. Bei allein demspricht Jedermann von unerhörtem Luxus und Sittenverderbseit etwa zehn Jahren.

Die Kirche ist groß und schön, und es sind viele Priesterhier, meist gute, einfache Menschen; theils aufgehobene Möncheaus benachbarten Klöstern, die, sowie einzelne aufgehobene Kloster-frauen, von ihrer kleinen Pension spärlich und auferbaulich leben.

Die Protestanten sind den Leuten ganz fremd, und selbstdie Unterrichteteren wissen schier nichts von der Geschichte derReformation. Auch die Jungfer Emmerich wußte vor demKriege nicht, daß es andere Religionen gebe, als Katholiken,Juden und Türken. Ich erzählte ihr und einigen armen,frommen Bäuerinnen, die sie besuchten, von frommen Prote-stanten. Die Bäuerinnen weinten und freuten sich über dieBarmherzigkeit Gottes an diesen Leuten, und trauerten vonHerzen, daß sie der Verdienste Jesu Christi in Seiner Kirche nichttheilhaftig werden könnten. Die gute Emmerich sagte:Und wennauch nur noch ein einziger Katholik auf Erden lebte, so würdedieser die Kirche Jesu Christi ausmachen, die die Pforten derHölle nicht überwinden werden."

Alle diese Leute, und vor Allen sie, trauern heftig über denVerfall der Kirche in allen ihren Theilen, und besonders derPriester, um deren Erweckung sie täglich und nächtlich die heißestenGebete zum Himmel schickt. An dem Bette dieser wundervollen,seligen, lieblichen, liebenswürdigen, bäurischen, einfältigen, lustigen,todtkrank-nahrungslos, übernatürlich lebendigen Freundin habeich erst ganz begriffen, was die Kirche Gottes ist. Man siehtrecht, daß die Kirche der Leib des Herrn ist, in welchem derHerr wesentlich wohnt.

Wie soll ich Dir, liebe Seele, die Lage der guten Emmerichschildern! Ich werde es kaum mündlich können. Wärest Du