Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
236
Einzelbild herunterladen
 

236

Stube, lehren ihnen Stückchen ein, und machen das Fenster aufund lassen sie fliegen, um nachzulauschen wie toll der wildeSchlag dem alten Dessauer wie Reif um den gewichsten Schnurr-bart anschießt. Aber ärgern kann Sie mein Schreiben nicht,denn vielleicht erhalten Sie es nicht; ich habe eine Menge solchebegonnene Empfindungsprozessionen, die auf halbem Weg erstarrt,unter meinen Papieren liegen. Auch vor fünf Jahren einenBrief an Fouguö. Gott gebe, daß ich nicht versäumte, JemandLiebe mit zu erweisen, und auch mit diesen Zeilen Ihnen nicht;und drum sollen Sie dieselben in jedem Falle haben, selbst wennich Sie zu Hause treffe und Ihnen ins Gesicht sage, daß ichSie lieb habe, nm alles was, um vieles wie.

Ich könnte Ihnen recenstren, was ich von Ihnen gelesen,wenn ich Ihnen meine Seele auftischte, wie Ihr Buch sieafsaisonnirte, dazu aber müßten Sie sie kennen, wie sie ohnedas ist; dazu aber habe ich neun und dreißig Jahre gebraucht,und erwarte, der Himmel möge mich mit Erbarmung fertigwerden und auf ein ehrliches Nepositorium setzen lassen. Etwasdrängt es mich, vor Allem zu sagen, nämlich ich gratulire Ihnenmit Erstaunen, daß es Sie Alles dies zu sagen drängte. Welchglücklicher Erdmann sind Sie, mit solcher Lust in den Schnee

in die Luft zu knallen, den Winterhauch zu betrachten und selbstden Tabaksrauch, und sich selbst an ein Eisfenster des Lebens anzu-gestirnen! Was Sie geschrieben, hat mich mannigfaltig gefreut,aber daß Sie es gethan, eben so sehr verwundert. Denn stellenSie sich vor, ich möchte die Lichter ausputzen, meinen Schattennicht zu sehen, die Spiegel verhängen, das Spiegelbild nicht zuerblicken; und dieser Schatten, dieses Spiegelbild von mir inIhrem Buche hat mich darum oft geängstet; weßwegen ich nichtbegreifen kann, daß Sie das Ihre selbst darin sehen und zeigenmochten. Seit längerer Zeit habe ich ein gewisses Grauen voraller Poesie, die sich selbst spiegelt und nicht Gott. Welcher