Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
229
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Du umarmst den Schatten wirklich, er läßt sich von Deinenlieben Armen unterbrechen. Das war kein Traum; ich liegerechts neben der Thüre, unter dem Bild, in meinen Mantelgehüllt und zittere; denn Du richtest Dich auf, und hebst Deinliebes Haupt zu Maria.

Sonnenwende, drehst du dich gegen den Mond? Du siehstmich wohl, aber du siehst mich nur; du glaubst, ich sei nur einGesicht, und guckst nicht einmal nach der Lampe, ob sie es sei,die den Schatten so seltsam wirft, denkst auch still: ich will dieLampe nicht anders stellen, damit der arme Mensch da ruhigliegen kann an meiner Thüre.

O du Gütige gönnst mir Dein Obdach, weil ich heimathlosbin, außer bei Dir! Das denkst Du still, Du Gütige! Denkstauch: ich liebe ihn schier ein ganz klein wenig, schüttelst denKopf und Dein Kamm fliegt nieder an die Erde, Deine Handgreift darnach, Dein Kopf aber wendet sich gegen die Wand,und Du läßt die Hand niederhängen, ohne den Kamm zuergreifen; denkst auch, es wäre recht curios, wenn der Schattendort mir den Kamm reichte; ich will nicht Hinsehen, sonst thuter es nicht. Das hör' ich aber Alles, sonst könnte ich es janicht wissen, und so schläfst Du ein, und ich krieche heran undfasse Deine Hand, die ist nicht kalt; ich falte meine arme Handhinein und bete, Gott möge mir helfen leben, lieben und sterben,Dir, Dir, und Dem, der uns liebet. Am Morgen fährst Duauf und wagst nicht in den Winkel zu sehen, und sagst:das war ein dummer Traum! Du lieber Narr, es ist dieHelle, klare Wahrheit, ziehe nur Deinen Kamm aus den Haaren,ich habe Dir ihn ganz ungeschickt durch die Flechte gesteckt; sieist nur dreiflechtig, weil ich armer Schelm keine andere flechtenkann; und fehlt nicht ein Zahn daran? Such' ihn nur in derganzen Kammer, Du findest ihn nicht, er ist in einer anderenKammer, wo Du viel schöner drin wohnst, in meiner Herz-