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An Dieselbe.
Berlin, Snimabrnd Innnnr 1817.
Ich bin um zwölf Uhr von der Kleist gekommen, und sitzeschon eine Stunde hier am Papier, und habe mein armes Herzso voll, so voll, und weiß nicht, was ich niederschreiben soll; ichfürchte, Du möchtest es nicht fühlen, nicht erkennen, nicht beant-worten, auch in Dir nicht, auf alles Andere Hab' ich dochresignirt. Soll ich traurig sein, meine liebste Seele, die Thränenwollen überwallen, ach, und Du willst mich nicht weinen lassen,und nicht trauern. Ich habe Dir gesagt, daß Du mein Herzabgerindet; es ist wund und zuckt unter Deinen Händen. —Von Allem, was ich Dir sage, höre ich nie Etwas wieder, undda klingt dann freilich das schreckliche Vergeblich manchmal inmeiner armen Seele nach.
Liebes neues Leben! wirst auch du vergeblich sein? möchteich manchmal laut neben Dir aufschreien. All e Trauer ist woh lwahrer i n mir, als die Freud e; es übernimmt mich eine wunder-bare Sehnsucht, bei Dir zu sein; ich möchte auf Dornen ruhen,weil ich nicht zu Deinen Füßen sitzen kann. Ich denke mirAlles aus, ich liege an der Erde und höre die Amme schnarchen,das Kind *) schwer athmen, Dich aber leise und kurz, DeinHerz pocht auch, Deine Lippe flüstert, Du sprichst mit ver-ewigen Liebe.
Wie der Mond so still in die Kammer scheint, der Schattenvom Fenster liegt wie ein Kreuz an der Erde. — Das sollnicht sein; es schleicht an Deinem Lager hinauf, und zieht wieein Wolkenbild über die Decke, wie über eine grüne Wiese; daliegt das Kreuz in Deinen Armen, und Du kreuzest sie undwillst es umarmen. O Wunder Gottes, es ist keine Täuschung,
') Das Kind ihrer verstorbenen Schwester.