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1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
220
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Lebens blinken sieht und ohnmächtig niedersinket? Kennst Duden Sonnenblick in die Kammer eines Sterbenden und dasWehen des Laubes an seinem Fenster? Ach, es pochen sünfRosen an, und so es nicht fünf wären, so könnte er nicht sterben!Das bist Du mir. Kennst Du das hochzeitliche Kleid, das derJungfrau angelegt' wird, und den Brautkranz, der ihr in dieHaare geflochten wird, ehe sie ihr abgeschnitten werden, da sieins Kloster geht? (Dem Jüngling, der Priester wird bei denKatholiken, geht es auch so.) Das bist Du mir. Kennst DuDeine Wehmuth, mit der Du auf Deine Lieder, Deine lieben,frommen Lieder ich kenne keine anderen und auf DeineEntsagungen, Deine Wünsche, auf Deine unentwickelten Freuden-gaben, Deine Talente (Matth. 25, 14.), vielleicht auch auffrühere Liebe, ach, und auch um Gottes und Jesus willen aufmich armen, elenden Menschen blickst? Das bist Du mir.Kennst Du Dich, Du lieber, stiller Engel, mit dem Thau, demschweren, reinen in den Flügeln, in den Rosen des Hauptes, inden Locken, in den Augen, in der Lilie, die Deine Hand trägt,in der ich ertrinken muß wie ein verspäteter Schmetterling;kennst Du meine Angst, meine Trauer, meinen Jammer, meineLiebe? Das bist Du mir. O Herr! wie habe ich es verdient,daß du mir deine Herrlichkeit in so himmlischem Kelche zeigst,er ist durchdrungen von dir, und wäre er die Traube selber,weh! weh! der Schuld, die den Tod in die Welt gebracht, er

muß zerbrechen.- ----

Herrlich ist der Herr, barmherzig ist der Herr und seinLeuchten ist unendlich durch die Finsterniß, die ihn nicht begriffenhat. O, wie muß der Herr leuchten, da ich schon blind werdeüber Dich, die in seinem Lichte steht, Du lieber Gottesspiegel!Ich habe geglaubt, es könne mich Nichts mehr erfreuen aufErden. O Gott! wer einmal lebendig begraben war, soll niewieder lachen und weinen können; aber sie ist mir in die Seele