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1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
217
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Die Nacht.

Rings nun ruhet die Stadt. Still wird die erleuchtete GasseUnd mit Fackeln geschmückt rauschen die Wagen hinweg.

Satt geh'n heim, von Freuden des Tages zu ruhen, die Menschen,Und den Gewinn und Verlust wäget ein sinniges HauptWohlzüfrieden zu Haus. Leer steht von Trauben und Blumen,

Und von Werken der Hand ruht der geschäftige Markt.

Uber das Saitenspiel tönt fern aus Gärten; vielleicht, daßDort ein Liebender spielt, oder ein einsamer MannFerner Freunde gedenkt, und der Jugendzeit. Und die BrunnenImmer erguilleno und frisch rauschen an duftendem Beet.

Still in dämmriger Luft ertönen geläutete Glocken,

Und der Stunden gedenk rufet ein Wächter die Zahl.

Jetzt auch kommet ein Wehn, und regt die Gipfel des Hains auf,Sieh'! und das Ebenbild unserer Erde, der Mond,

Kommet geheim nun auch, die schwärmerische, die Nacht kommt,

Voll mit Sternen, und Wohl wenig bekümmert um uns,

Glänzt die Erstaunende dort, die Fremdlingin unter den Menschen,Über Gebirganhöhen traurig und prächtig herauf

Hölderlin.

Ich wünsche, daß sie die wunderbare Gewalt dieses einfachenGedichtes so fühlen könne, wie ich, der es viel hundertmal seitzwölf Jahren gelesen und in mancherlei Zuständen Frieden undErhebung drin gefunden, ja, es nie ohne tiefe Bewegung undohne neue Bewunderung empfunden hat. Es ist dieses eine vonden wenigen Dichtungen, au welchen mir das Wesen eines Kunst-werks durchaus klar geworden. Es ist so einfach, daß es Allessagt: das ganze Leben, der Mensch, seine Sehnsucht nach einerverlorenen Vollkommenheit und die bewußtlose Herrlichkeit derNatur ist darin. Ist das Alles? Wo ist denn die Erbarmnngund die Erlösung? fragt sie vielleicht, und ich sage: sie lese esals ein Ebenbild aller Geschichte, und sie wird auch Erbarmnngund Erlösung darin finden. Sind die ersten sechs Verse nichtdas weltliche Treiben ins Reale bis zur Ermüdung, die folgenden