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Fühlt sie wirklich, daß sie nicht so fromm und gut sei, alsich glaube, so werde sie besser, als ich es glaube; das istschwer und leicht, weil meine ganze Meinung von ihr bis jetzteine Phantasie ist, welche sie theilweise verwirklicht hat. Ichweiß eigentlich gar Nichts von ihr, als daß sie still ist undbescheiden, daß sie höchst einfach anssieht und doch zugleich erlebt,daß sie nicht kokett ist und nicht untheiluehmend an sich undAnderen, daß sie eine ruhige, leise Stimme hat, die ich durchden größten Lärm durchhören wollte. Sic hört sehr gut an undmißversteht selten, und nur in gespaltener Rede, wo sich dasGesagte in zwei Hälften spiegelt; sie ist in ihrer Gedanken-,Rede-, Gesichts- und Leibesbcwegung nie eigentlich zierlichoder reizend, oder pikant, aber auch nie ungeschickt oder täppisch,oder gänsig, sondern durchaus recht, sicher, edel, lieblich ernst,jungfräulich gesammelt und das innigste Vertrauen erregend; siesieht aus wie meine liebste Freundin, wie sie selbst. Wäre nichttieferes Leid am Menschen zu bedauern, als irgend eine zerrissene,zeitliche Sehnsucht, so könnte ein Hauch von Resignation, derüber ihren nicht sowohl ruhigen, als beruhigten Zügen schwebt,so könnte ein inneres, weltliches Geschick in ihr mich innig rühren.Aber kaum hatte ich dieses Trauerkleid an ihr bemerkt, als ichfühlte, daß es ein Kleid sei zum Tische des Herrn zu gehen undanS meinem Mitleid ward eine fromme Rührung. Sie siehtmehr entsagend aus, als arm, und wenn sie sehr reich wäre,würde sie hoffentlich nicht anders aussehen. Sollte sie wohlKranke treu pflegen können ? Gewiß! lind auch trösten nnd Almosengeben und helfen und rathen. Sie ist verschwiegen und so schönoffenherzig, als ich je eine Jungfrau gesehen. Wie wunderbarruhig, nngeschmückt und klar und einfältig erzählt sie, nnd wieträumt sie! Der Traum, den sie mir erzählt, ist wahr, bis ansden Blaubart, den hat sie hinzugeträumt, das Andere habe ichmit ihr zusammengetränmt. Es ist ein Traum eine ganz andere