Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
210
Einzelbild herunterladen
 

210

samkeit zurückreißt, und meinen Witz vom Tanzboden hinaus-treibt, wie der Herr die Krämer aus dem Tempel; denn zueinem solchen macht sie mir jeden Ort, wo sie ist.

Da haben wir nun das Elend! Der Witz, um sich zu wehren,zerlegt sich in seine Elemente, welche durch Reinheit und Ursprüng-lichkeit mächtiger sind, als er; er trennt sich in Gefühl, Klugheit,Scharfsinn, Begeisterung, Theilnahme u. s. w. Und diese stellensie in aller Eile auf einen Altar in dem Tempel, und beten siean, wie einen Götzen, und geberden sich in mannigfaltiger Ver-ehrung, als sei Alles das so ganz richtig und von alten Zeitenhergebracht. Die Ironie aber geht während dessen der Betrach-tung entgegen, und wenn diese nun endlich hereintritt, so gehtdie Verwirrung los. Sie, die nur gezwungen als Götze aufdem Altar figurirt, etwa wie eine Katze, die sich vor Hundenans eine Säule flüchtete, fliegt der Betrachtung entgegen, welcheihr freundlich die Hände bietet. Da tritt der Witz wieder ausseinen Elementen zusammen, und legt sich Beiden zu Füßen undspricht: Ihr verehrten Beide, befehlet mir, daß ich euch znsam-menrcime!. Ich will es thun; aber die Ironie lacht ihn aus,und die Betrachtung weint über ihn, denn er hat Unmöglichesvor, und so steht sie und die Betrachtung neben einander, undsie wenden sich zusammen zu Dem, der allein helfen kann, undder ihnen Beiden allein lieb sein sollte, zum Herrn.

Was soll ich ihr zum Tröste sagen auf eine Bemerkung,daß ich wohl nicht sechr fromm sei? Ach, nichts Anderes,als: Bete für mich, daß die Flamme der Andacht, welche nochim Wirrwarr zucket, in ein ruhiges Feuer sich verwandle, dasmich mit Licht und Wärme durchdringe, aber besser noch, ineine heilige Gluth, die mit Schmerzen alles Irdische in mirniederbrenne. Ob ich fromm sei, warum fragt sie dies? Istes bloß Neugier, weil sie mich in einer Gesellschaft sieht, woman eben nicht gerade fromm ist, und weil sie manche religiöse