Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen
 

2V2

lebe. Sv will ich nicht mehr leben. Ich erschrecke, wenn ichdenke, daß Du mich mißverstehest. Wahrhaftig, ich liebe Dichweniger als Gott o, wie muß ich ihn lieben! Manchmalschaudere ich durch Mark und Bein, wenn ich denke, du seiest derGnadenstoß des Richters über meinem Herzen. Herr, mache esgnädig mit mir! Wo ist der Segen hin, wo der Friede, derTrost, der mir gegeben worden mit Dir? Du bist schrecklichgerüstet, mein Engel; mit einem Wort, einem Schweigen nimmstDu weg Alles, was Du gegeben und verheißen, ja mehr noch,Du weckst die Todten, um sie zu tödten, Du kleidest die Nacktenund zerreißest ihnen die Brust über'm Herzen, Du speisest dieHungernden und Dürstenden mit Hunger und Durst, Du besuchestdie Kranken mit Gift und befreiest die Gefangenen, ihnen indie Sonne zu treten. Wer bin ich? Kennst Du mich wohl?Hast Du Nichts mit mir, von mir, durch mich? Weißt Du,was ich um Dich verlassen habe? Das Leben außer Dir undJefum, - und läßt Du mich fallen, so falle ich auf DeineRechnung.

Drei Oiigr spiitrr.

Ich möchte wohl wissen, ob in der Liebe zu einem Menschennicht eine unendliche Progression ist? ich meine, meine Neigungzu Dir trägt schon alle Früchte Himmels und der Erde. DieWeltgeschichte ist ganz aus für mich. Kurios ist es, aber ichmuß in diesem Augenblicke denken und fühlen, und es ist mir,als wär's wahrhaftig so, nämlich: als wäre meine Brust einBadezuber und Deine Füße stünden badend und plätschernd inmeinem Herzen, und Du sagst: endlich krieg ich warme Füße.