Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
203
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2VS

An Dieselbe.

Berlin im Spötherbst M6.

Es ist mir innerlich gewiß, daß viele Mauern zwischen unsgegen Himmel fliegen werden, und daß der Vorhang durchsichtig,ja durchwandelbar werden wird. Schon ist die Wand lebendig;was Jedes von uns auf feiner Seite fühlt und säet, blühet undfruchtet hinüber. *

Ich bin leider noch in unendlichem Bortheil. Du bist dieGüte und Huld selbst, und all Dein Sein ist Schein und allDein Schein ist Sein. Lebst Du wirklich, oder bist Du nurein Lichtfleckchen, das ein Engel mit seinem spiegelnden Schildaus der innersten, reinsten Himmelssonne mir an der dunkelnKerkerwand tanzen läßt?

Liebes Wesen, Du Schwalbenlied, Du kleine, rosenrotheSpinne am Thurmfenster. Ein Wink von Deinen Augen kanneine Hölle blind machen. Dein kleiner Finger bricht unauflöslicheBande. Ein Lächeln von Dir löst Gewitter auf. Tauche DeineHand ins todte Meer, und es wird das Wasser, worüber dieGeister schweben. Ist Alles an mir geschehen! Mein klein winzig-mutterselig - alleiniges Herz, wie groß bist Du? Ich bin einarmer Mensch und gäbe mein Leben nicht um Alles in derWelt, selbst um Dich nicht, weil ich Dich nun so unendlich liebe.O dummer Clemens! O dumme Freundin! wie klug seid Ihrin der Zeit und Ewigkeit? Um Dich, für Dich, durch Dichwird Alles gut gehen.

Ich bin durch die Wüste gezogen,

Des Sandes glühende WogenVerbrannten mir den Fuß;

Es haben die Wolken gelogen,

Es kam kein Regenguß u. s. w.

(Die folgenden Strophen siehe l. Band gesammelte Schriften. Seite 384.)