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Wenige Menschen haben die Gabe religiös zu wirken. Eswird bei den meisten ganz hölzern, und so, daß selbst die Seele,welche hineinpaßt, sich nicht darin rühren kann, und also auchnicht darin unschuldig beten, wozu die freiste Seele nach meinerEmpfindung gehört. Ganz aufrichtig zu sein, habe ich nie rechtherzlich gebetet, als da ich gar Nichts von Religion wußte.
Da ich in der Jugend die Formen des katholischen Cultusmitmachte, habe ich dann und wann, aber bei Gott nicht anders,als ein Götzendiener gebetet. Da ich keine Form mehr mitmachte,ja, die katholischen Formen mir so fremd und so unverständlichund unangenehm wurden, als die Synagoge — ich übertreibenicht — hatte ich häufig tiefe, innere, aber ganz unformelleErhebungen zu Gott; diese sind die liebsten Momente meinesgeistigen Lebens. Ich weiß nicht woher es kommt, aber eineinziges Kapitel und Verscitat, ein einziges „spricht Dieser oderJener" entfernt die Sache von mir und macht sie mir äußerlich.Ich fühle lebendig, daß die Sache in mir erwachen muß, sonstist sie nicht mein, und man kann sie mir nicht appliciren, sonstbleibt es eine Einkleidung und keine Eingeistung.^
Mlllllr Z8Ü6.
Das Stück Brief oben sing ich im November an, habeaber nicht fortgefahren, weil ich fürchtete, es möge Dich betrüben.Weil es aber doch einmal geschrieben und zu Dir hin geschriebenwar, und ich in diesem Augenblick, da ich es finde, es doch nichtso ganz arg finde, so mag es zu Dir gehen. Du bist eingetreues und frommes Herz, und nimmst mir nicht übel, daß ichsage, wie wenig an mir ist. Ich hätte mehr an Dich schreibenkönnen, als an irgend Jemand, denn ich habe Dich sehr lieb;aber ich habe eigentlich kein Schreib- und Sprechinteresse an den