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1 (1855) (1855)
Entstehung
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bewog, war ein ganz ausgezeichnetes Mägdlein von zehn Jahrenaus den höheren Ständen Wiens. Sie hatte im Sommer aufdem Lande, während sie eine sehr große Siegelsammlung nacheignem Plane mühsam ordnete, den Zauberring vorlesen hören,und zum großen Erstaunen ihrer Mutter, welche gar nichtgeglaubt hatte, daß sie znhöre, erzählte sie ein halbes Jahrnachher einer Kindergesellschaft den ganzen ununterbrochenenFaden des Romans. Ich hatte damals noch keinen Begriff vondem unbeschreiblichen Talent der schönen, blonden, kleinen Fannyzu dergleichen Auffassung, und ich dachte gleich, das Buch mußich lesen, es muß eine ungemein scharfe und bestimmte Zeichnungdarin sein, daß ein Kind, welches sich zugleich mit etwas Anderembeschäftigt, es so gegenwärtig behalten kann. Nach einigen Tagenkaufte ich es bei einem Antiquar und las.

Ich bin so entfernt von dem Talent der kleinen Fanny,daß ich Nichts mehr von dem Buche weiß, als meine Empfindungwährend dem Lesen, und einen Schattenriß dieser Empfindung,in dem zum Urtheile gewordenen Totaleindruck. Ich las ohneAnstrengung und gern, hingerissen, innerlich bewegt, gerührt;lyrisch erschüttert nie, aber auf eine sehr angenehme, gesellige,malerische, bildernde Weise, wie von einer edeln, interessanten,bedeutungsvollen Prozession umwandelt. Mit Lust und Achtunggenoß ich diesen Umzug zweimal schnell hintereinander, und mußtedarin von ganzer Seele das große Talent unserer combinirenden,symbolisirenden, formellen Zeit bewundern, welche in allemLeben, aller Kunst, mehr den ungeheueren Schatz des Vorhan-denen zu heben und zu ordnen, und sich an den poetisch wissen-schaftlich zusammengestellten Familien des irdischen Geschichts-paradieses zu erbauen bestimmt zu sein scheint, als daß sie selbstbewußtlos in diesem Paradiese singe und jubilire. Eine Zeit,welche in ihrer Jugend die unschuldig bewegte Selbstheit unterdem Namen der Sentimentalität mit oft armer, todter und