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1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
170
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das Gepräge einer tiefen bewegten Stunde, die mich recht rührt,weil sie so gerne gesprochen hätte, als sie sich von einem Dämonzu gaukeln gezwungen sah. Ganz ist mir die Stimmung nichtgegenwärtig, in welcher ich schrieb. So viel fühle ich, daß ichmich nach Ihrem Wohlwollen im Allgemeinen sehnte und Ihneneine Idee von meinem Vcrhältniß zum Leben zu geben wünschte,wie ich es damals fühlte. Aber ich irrte mich, so war es nie,es ließ sich aber nur im Beichtstuhl anders anssprechen.

Ich bin, wie die Welt, seit jener Zeit durch den Wende-punkt vieles Bösen durchgegangen. Gott gebe, daß diese und ichzu einem höheren Frühling gelangen mögen.

Da der Anfang dieses Briefes nicht um noch durch IhreWerke Ihnen die Hand eines Lesers, sondern über Ihre Werkedie Hand eines Menschen reichen wollte, der Ihre ruhige Hal-tung neben der Muse, Ihren steten und gleichmäßigen Umgangmit der Muse, Ihre treue Freundschaft zu derselben, wie dasruhige Ausbauen eines Schachtes bewundert: so muß ich Ihnenerzählen, was ich weiter von Ihnen gelesen seit jener Zeit,damit ich es zu dem Sigurd, den ich damals gelesen hatte, legenkönne, um Ihnen freundlich eine ehrliche Hand darüber zu reichen.In Wien las ich den Zauberring in wenigen Tagen schnell zwei-mal hinter einander. Das Buch war mir durch Ticck's zwarnie ganz hohlen, aber doch auch nie ganz gesunden und unschul-digen Tadel ebenso wenig fern, als durch Friedrich Schlegel'sAusspruch, es sei seit dem Don Quixote der beste Roman (wieer mir sagte), nahe gelegt, da ich die unschuldige und schuldigeNeugier zur Romanenleserei mit dem lebendigen Interesse selbstdergleichen zu schreiben, bereits verloren hatte. Das Leben hattebereits so mannigfaltige Rache an mir genommen, daß ich mehrder Gegenstand eines Gedichts, als ein Dichter sein konnte,mehr ein Gegenstand der Selbstkritik, als Kritiker eines Anderen.(Alles dieses war wohl von je der Fall.) Was mich zu lesen