Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
167
Einzelbild herunterladen
 

167

von jenen Feldblumen, man nennt sie Gespenster bei mir, derenBlüthe eine Kugel von luftigen Haaren ist; sie sind melancho-lischer Hirten Orakel blasen Sie, mein Lieber! wem soll esgelten, mir, oder dir, oder ihr? Nun zählen Sie, so vielFlocken der arme Stengel trägt, so viel Jahre, Tage, oderStunden, oder trägt die Welt noch mich, oder dich, odersie. Haben Sie eine gute Brust, so stehe ich in Ihrer Hand;Sie können mich auf einmal herunter blasen, aber dann wärees ja nichts. Lassen Sie lieber die kleine Gespcnstblume lebenund mich! Ich hefte sie an den Mast und segle meine Tage vondem Orakel herunter; o könnte ich schneller als der Wind, ichwollte sie dem Gärtner unbeschadet wiedergeben. Selig, wer demHerrn das Leben gelebt und lebendig doch wieder in die heiligenHände legen kann.

Vivat! ich kann so lustig sein und so traurig, als ich mag,und das zu aller Stunde. Sieh' da! das ist alle meine Kunst,und ich nehme fürlieb. Und wer es mit mir theilen will undkann, der kriegt noch Körbe voll Brosamen, die übrig bleibenvon den Fischen und Broden, die wenige, aber ewige sind; undhat er die Vöglein lieb, so kann er streuen und füttern.

Ich war eine Goldharfe mit animalischen Saiten bezogen,alles Wetter verstimmte mich, und der Wind spielte mich, unddie Sonne spannte mich. Und die Liebe spielte so leidenschaftlichForte, daß die Saiten zerrissen, so dumm zerrissen, daß ich kaumein Spinnrad mit dem Übrigen besaiten kann. Dohnen drauszu stellen, sind sie zu stark gewesen. Nun habe ich die Harfe inFeuer auSgeglüht und sie mit Metall besaitet, und spiele sieselbst; oder die Freunde, oder eine Maus lauft darüber klingend,oder eine Fliege die Letzteren aber nenne ich prophetisch, undich ahne dann und rüste mich mit Vertrauen.

Gerade das, lieber Fouque, womit ich Ihnen meine Liebeund mein Vertrauen zuerst nothgedrungen von Ihrer Erscheinung