Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
165
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Clemens Brentano an Fouque.

IM.

Ich bin Ihnen.wenigemal in Berlin begegnet, aber nurimmer so kurz, oder in solcher Umgebung, daß wir uns keineIdee von einander geben konnten. Dennoch habe ich mich nichtin Ihnen geirrt, wenn ich Ihnen gleich mein Vertrauen zu sehrin verkürzter Zeichnung mag erwiesen haben, als daß Sie nichtdaraus selbst, unterstützt durch das Vorurtheil Anderer, eineMeinung von mir sollten vorgefaßt haben, die Sie mir zwarmit der Ihnen eigenthümlichen Güte geäußert, die ich aberdennoch zu unrichtig fühle, als daß ich sie Ihnen lassen dürfte,ohne Sie selbst zu der Täuschung in Hinsicht meiner zu ver-führen, die ich in Ihnen beklage. Sie glauben nicht, lieberFouque, wie ungemein wohl Sie mir den letzten Abend bei derLiedertafel durch das Geständniß gethan, daß meine Nähe Siein einige Verlegenheit brächte, und daß Sie nicht wüßten, woranSie mit mir seien. Das war recht brav von Ihnen; Anderemachen es sich's bequemer. Andere Leute, die überhaupt zuhoffärtig sind, als daß sie nicht glauben sollten, ein Strohwischkönne leben, weil sie sich nur einen Strohwisch denken können,würden lieber mich kurz und gut als einen witzigen Schäker, alseinen vagirendcn Teufels-Comödianten, einen Rattenfänger vonHameln, ohne Pfeife und ohne Kinder (als die jüngsten seinerLaune) decretirt haben. Und wahrlich, welch größeres Almosenkann man solchen Freigebigkeitsbettlern geben, als daß man dietreffliche Ausführung ihres bescheidenen Titels wird? Es wäreder Mühe werth, solche Reisende hinter die Faqaden von Dessauzu führen, wo manche arme Hütte ein reiches Herz wohl vordem Wetter, aber nicht vor dem Hunger schützt. Vor solchenselbstseligen Musterreitern mache ich lieber alle Fenster der Faqade