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1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
159
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empfange so mit entblößtem Herzen die Freude recht lebendig,wie einen wvhlthätigcn Blitz, nicht der mich tödtet, nein, dermich belebt. Möge Ihnen der Himmel auch eine überraschendeFreude machen, damit Sie sich und Ihr Werk und Bemühenbald wieder im Sonnenschein sehen mögen, den Ihnen IhreKrankheit von Innen entzogen hat! Hier unterbrach michdie Nachricht von dem Tode der kleinen Anna Steffens. Ichweiß nicht, ob Sie dieses himmlische Kind gekannt; in seinerletzten Zeit haben Sie es wenigstens nicht gesehen. Sein Verlustthut mir ungemein weh. Es war das ruhigste, kindlichste, zier-lichste, freundlichste Kind, das ich in meinem Leben gesehen, undich weiß nicht, wie schwer ich diese Lucke empfinden werde, wennich wieder zu diesen guten Menschen trete. Es war einso liebes Kind, daß Sie kein reizenderes zeichnen können,und dem Schmerz über seine Sterblichkeit konnte nur derGedanke die Wage halten, daß es einst aufhören müsse, einKind zu sein. Ach, wenn dieser Brief Sie nur gesundtrifft oder auf leichteren Wegen.

Ich bin im Begriff, nach Böhmen zu reisen mitArnim, wo ich und meine Geschwister ein Gut haben,das mein jüngerer Bruder bewirthschaftet. Wir gehen dortmeinem Schwager, dem Juristen Savigny, entgegen, der vonLandshut den Ruf an die hiesige Universität angenommen.So habe ich nun endlich bald Alle, die ich liebe, auf einemFleck, denn meine Schwester Bettine kommt mit hieher.Diese recht vortrefflichen Menschen, hinter denen ich oft etwasschamröthlich hergehe, haben Sie auch Alle so lieb, wie ich, undich wünsche Nichts mehr, als daß Sie sie einmals kennen lernen,denn die Menschen sind doch das Herrlichste auf der Welt.Drum, lieber Runge, sterben Sie nicht, noch nicht, ob ich gleichglaube, daß Sie es besser und schöner können, als Einer, weilSie so schön leben können; aber die Ubrigbleibenden haben ein