dies doch nur nothwendige Fesseln des Blutes, denen sie selbstunterliegt. Sie kann das Kind wohl sehend gebären, aber dasLicht muß ihm von Außen kommen, und so liebt sie die Sonneund den Frühling und die Blumen, weil diese ihr Kind beleuchtenund bekränzen können. Indem ich Ihnen nun in jenem Briefezu Vieles über mich schrieb, war es nur, als wenn eine solcheMutter Sonne, Frühling und Blumen bewegen wollte mit Bitten,ihr Kind nicht für unwürdig zu halten, es recht freundlich undgern zu umscheinen, und dabei in einer vielleicht ihr selbst nurerleichternden Geschwätzigkeit vvrbringt, wie sie eine Jungfraugewesen sei, wie geliebt habe und empfangen, wie ihr der Gattegestorben, wie sie gelitten, geträumt und geboren habe, warumihr Kind ihr lieb. Und hätte sie anders gesprochen, so wäre sienicht würdig gewesen, daß die Sonne sie bescheine, und es wäreihr Recht geschehen, wenn sie irre gegangen, und statt ans Uferder See oder auf ein Gebirg zu steigen, ins Wirthshaus zurSonne, Nr. 54, zu dem Professor Bode oder dem alten Zachgekommen, die sie auf ihre astronomischen Vorlesungen und diegeographischen Ephemeriden gewiesen hätten.
Da ich nun keine Art von Anspruch auf Ihre Achtungmachen konnte und doch eine Bitte an Sie hatte, konnte ichdieses auf keine andere Art, als indem ich Ihnen kindlich aus-einander setzte, warum mir mein Gedicht so lieb geworden, daßich es wagen durfte, Sie aufzufordern, es mit Ihren Gedankenzu verzieren. Hätte ich mich Ihnen anders genähert, so würdemein Brief vielleicht nicht ein Drittel so lang und Ihnen klarer,mir aber durchaus für mein Herz unanständig erschienensein. Doch genug, ich habe meinen Endzweck erreicht, vielleichtmehr durch Ihre Güte, als durch die Ungeschicktheit, mit der ichdiese Güte in Anspruch nahm: Sie haben mir erlaubt, Ihnenmeine Arbeit vorzulegen und mir erklärt, daß Sie nicht abgeneigtsind, wenn das Ganze Ihrer Empfindung nicht widerspricht. Ich