147
Nachrichten über alte Künstler. — Ein recht interessantes Büch-lein besitze ich, das vielleicht, obschon es im katholischen Gebrauchbis zum Jahr 1659 drei Auflagen und eine deutsche Übersetzungzu Ingolstadt und München erlebt hat, in die Hände der Künstlernie gekommen ist, es heißt: ^tlas Agrisnus, sive >ie ims^inibusveiparso per orbom Oliristisnum miraoulosis suctore LuilelmoKumpenberA e soo. lesu. (lnAoIslsät 1659. Duodez) und enthältfünf und siebzig Abbildungen berühmter in der Welt zerstreutermirakulöser Muttergottesbilder in ziemlich guten Kupfern, undbei jedem die kurze Legende seiner Entstehung. Unter diesensind wenigstens der vierte Theil ihres eigenthümlichen neugriechi-schen Typus wegen sehr interessant, und manche für meinenGeschmack äußerst reizend. Jene aber, die ich Ihnen oben aufder Straßburger Fahne angab, trägt bei mir den Preis davon.
Wäre ich reich und könnte es durch Andere, und möchten esAndere, oder besser: hätte ich gute Augen und Kenntnisse, undwäre zum Zeichnen gebildet und ging ein Freund mit mir: ichzöge durch den Theil unseres Vaterlandes, der eine ordentlicheGeschichte gehabt hat, um die unzähligen untergehenden Gebildeder herrlichsten Kunst mit Linien zu befestigen. In Regensburgan einem zugemauerten Thor der alten Jacobskirche sind sowunderbare hieroglyphische Arabesken, daß, so ihre Abbildungeiner Akademie vorgelegt würde, die in der Stadt selbst säße,sie Erklärungen aus Ägypten dazu herholen würde. Kein Menschsieht sie an und der Krieg zerstört sie vielleicht, während vieleGenerationen an ihnen vorübergegangen, und höchstens die aufdem Kirchhof spielenden Kinder mit ihnen geschwätzt haben.Unzähliges dergleichen habe ich gesehen. Ich weiß alte, feuchteKirchengewölbe voll der herrlichsten, zertrümmerten, alten Holz-gemälde; sie verfaulen, und die Anerbietung, sie auf meineKosten Herstellen und in die Kirche hängen zu lassen, ward mir,wie der Ankauf, von unwissenden Vorstehern, als einem Thoren
10 «