Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
144
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vernachlässigt, später im Kaufmannsstande nicht allzu weise ange-wendet, dann auf Irrfahrten nach dem goldenen Vließe seekrank,schiffbrüchig und in Sclaverei gerathen: sind mir alle Thorephilosvphirender Abstraktion gänzlich verschlossen geblieben, undwenn gleich mein ganzes Leben aus einer beständigen Reflexionund Beschauung bestanden, so war leider ihr Gegenstand keinbesseres Kunstwerk, als meine eigne arme Person, welche mirendlich beschämt und geärgert, daß ich ihr immer in die Augensah, selbst den Rücken drehte. Die Kunstwerke, die ich gesehen,haben mir immer gefallen oder nicht gefallen, ohne daß ichnachdachte, warum? Ja ich habe die meisten mich umgebendenMitbeschauer, welche ihres Urtheils recht versichert waren, häufigstsehr lächerlich reden hören; selbst den braven Tieck nicht aus-genommen, der in seiner Kritik mir eben so allumfassend alsbis zur Verzweiflung bornirt vorgekommen ist, so daß mir oft,während er von Urtheil und Aburiheil in den frömmsten Wortenüberfloß, neben ihm so angst und bange geworden, als habe derKuckuck eben im Sinne, ihn zu holen. Um ein tüchtiges Urtheilüber ein einzelnes Werk zu fällen, welches mehr als ein Selbst-bekenntniß sein, welches Urtheil ein aus dem Ursprung hervor-gehendes Grundgesetz aussprechen soll, müßte man mit derumfassendsten Seele den unermeßlichen Kreis der Anschauungendurchlaufen und aufgefaßt haben; aber leider nimmt der Dämonder Kritik meistens die Menschen in Besitz, welchen das Wenige,das sie gesehen, schon viel zu viel, aber nie genug gewesen ist.Und dann habe ich das Unglück, wenn Jemand über ein Gemälde,das ich nicht kenne, sehr gut, und über ein Gedicht, das ichkenne, sehr verkehrt spricht, daß mein Glauben an sein Urtheilein Ende hat. Denn wie kann Einer das Eine verstehen,und für das Andere ganz blind sein? Z. B. hat mich eineMode gewordene, verächtliche Behandlung der niederländischenMaler immer sehr betrübt. Ich glaube, wären alle anderen