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ist: Ich habe Ihnen Oben auszusprechen gesucht, wie das
Leben mein Gemüth grundirt hat, und wie in mir eine bestimmte, l ,. ^
individuelle Liebe zu gewissen Kunstgenüssen entstanden ist. ^
Wenn ich sage, daß ich Shakspeare'n, Gvethe'n, daß ich die alten
Geschichten liebe, so heißt das, daß ich glaube, alle gute Gabe
komme von Oben her, von Gott, vom lieben, klaren, blauen
Himmel herab, und werde von gesegneten, dankbaren Händen
empfangen, mit den Blumen der Erde geschmückt, als Dankopfer
guter Kinder wieder empor gesendet. Selten jedoch unschuldig
und bewußtlos, wie die Perle in der Muschel wächst; häufig
erstickt und verunstaltet, oder vergiftet von dem, der nächtlich
das Unkraut unter den Waizen säet. Wenn ich aber sagen soll,
welche Art der Erscheinungen dieses Gartens zwischen Himmel
und Erde mich besonders, nicht sowohl als Menschen überhaupt,
sondern als Individuum immer tief gerührt haben, so sage ich
Ihnen: das alte Rittergedicht Tristan und Isolde, die Fiametta
des Boccaz, der standhafte Prinz von Calderon und einige Oden V
des wahnsinnig gewordenen Würtemberger Dichters Hölderlin, /
z. B. seine Elegie an die Nacht, seine Herbstfeier, sein Rhein,
Pathmos, und Andere, welche in den zwei Musen-AlmanachenSeckendorfs von 1807 und 1808 vergessen und unerkanntstehen. Niemals ist vielleicht hohe, betrachtende Trauer^so^herrlichausgesprochen worden. Manchmal wird dieser Genius dunkel undversinkt in den bittern Brunnen seines Herzens; meistens aberglänzt sein apokalyptischer Stern Wernmth wunderbar rührendüber das weite Meer seiner Empfindung. Wenn Sie die Bücherfinden können, so lesen Sie diese Lieder doch. Besonders ist dieNacht klar und sternhell und einsam, und eine rück- und vor-wärts tönende Glocke aller Erinnerung; ich halte sie für einesder gelungensten Gedichte überhaupt.
Während ich Solches erlebte, entstand in mir unbewußt dieBegierde, ein Gedicht zu erfinden, wie ich gern eines lesen möchte,