Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
137
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Quassia, schmeckte ich mit einer ganz eignen Lust. Die menschlicheSchönheit, die mich so angelacht, und vor mir in Staub zerfallendmein Herz so tief betrübt hatte, erschien mir wie freudig lachendesGift, und mich zu trösten, ergötzte ich mich stundenlang, ein rein-farbiges Stück Grünspan anzusehen. Die wunderbaren Blüthender Belladonna und anderer Giftpflanzen machten mir eigneLust, zugleich aber auch die Granatblüthe und die Lilie. DieBilder der alten italienischen und neugriechischen Schule, auchder altdeutschen, besonders Martin Schön, und die kölnischenMeister, liebte ich ungemein, und sammelte Mancherlei. Amfrühesten rührte mich ein wenig bekannter Maler, Grünewald,ein Aschaffenburger, von dem ernsthafte, einfache und tiefsinnigeWerke in seiner Vaterstadt und der primatischen Gallerte daselbsthängen. Ich konnte sein Bild der Auferstehung lange nichtvergessen. Christus sitzt gleichsam sinnend auf dem Grabe, alserwache er aus dem schweren Traume der Erde zur Seligkeit;er ist e» laue und schaut den Betrachter mit ernster Glorie an.Es war mir, als sei es der Moment, da er aufhöre, Menschzu sein. Dann habe ich noch eine große Liebe zu einer altenVorstellung der Madonna. Sie finden dieselbe auf einer Abbil-dung der alten Straßburger Stadtfahne in Königshofen's Straß-burger Chronik. Das Buch ist nicht selten, und ich wünschte,daß, wenn Sie es noch nicht kennen, Sie sich dasselbe deßwegenverschafften. Die Farben des Bildes sind in dem Texte ziemlichgenau beschrieben. Der brave Maler Bnri hier, dem ich esmitgetheilt, wurde ganz davon begeistert, und hat es sich nachder Angabe colorirt. Ich kenne nichts Ernsteres und Freudigeres;es ist Jauchzen und Segen zugleich. Endlich machten mirIhre Darstellungen der vier Tageszeiten auch eine ungemeineFreude; mich rührte die tief verfolgte Bedeutsamkeit, die ichdarin bis zur Blüthe der anspruchlosesten Zierlichkeit gediehenfand. Die ernsten, frommen Kinder sind mir sehr erquickend,