Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
119
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IIS

selbst kochen muß. Du kannst Dir denken, wie es ihr zu Muthesein muß, die hier, ohne eine einzige Freundin, bei sehr schlechtemWetter, in einem Augenblicke, wo ihr die Ruhe mehr denn jeBedürfniß, mit den entgegengesetztesten Arbeiten überhäuft, ganzeinsam lebt. Sie, die so lange der Gegenstand meiner Liebewar, wird nun auch der meiner Bewunderung und meines Mit-leids. Sie sehnt sich unendlich nach irgend einer weiblichenSeele, und wir sehen keine Hoffnung dazu vor uns, da unsereLage jetzt keine Reise erlaubt. Wenn ich nun bedenke, daßSophie in jenem kritischen Moment in derselben einsamen Lagesein wird, dann steigt mein Kummer noch höher, doch derHimmel wird ja helfen!

Savigny besucht uns dann und wann, aber seine großeVerschlossenheit betrübt uns, und die Idee, daß er über seinenahe Abreise uns gar nichts sagt, da wir durch sie doch allenUmgang verlieren, läßt mich, der ihn so lange treulich geliebthat, seine Kälte noch schmerzlicher empfinden.

Keinen Trost haben wir zu erwarten, als den Frühling.O, möge er freundlicher und grüner mit Hoffnung angethan alsje, zur Erde kommen, mein liebes Weib zu erheitern und mitmeinem Kinde zu spielen! Ich habe mich nie so sehr nach ihmgesehnt, und werde ihn lieben, wie ich es nie gethan; denn wennder Mensch sich nicht mit der Natur hält, so ist er verlassen,das fühle ich. Auch entgeht uns kein Sonnenblick, keine schöneBeleuchtung des Thals unter unserem Fenster, denn sie sindunsere einzige Zerstreuung in unserer jetzigen mühevollen Lage.

Für Deine mütterlichen Berichte von Deinem lieben Jungendanke ich Dir herzlich, und freue mich darauf, Dir auch einstvon meinem Kind erzählen zu können. Ich wünsche oft, daßmeine Frau mit Dir bekannt wäre. Ihr würdet sicher in EuremUmgang Alles finden, was sich ein gebildetes Wesen wünschenkann.