11 «
Die Binde von den Augen losgebunden,
Auf meines Daseins höchster Zinne stand,
Ist alle Lust oft rund um mich gewunden,
Weil sich die Liebe schaffend um mich wand;
Auch wird wohl einst mein krankes Herz gesunden,
Hab' ich die Aussicht wieder nur gefunden.
Ich weiß nicht, welcher Trank süßer ist, der langsam tropfenweishinabrinnt, oder der volle gestürzte Becher; das Leben, das daslängste, ist wohl das gelebteste, das dichteste ist das gediegenste.
Der arme Judono liegt mir sehr am Herzen, es ist eintrauriges Loos, Wunder und Worte gegen seinen Glaubenerstehen zu sehen, seinen Vater zu lieben und von ihm gequältzu werden.
Die schönste Stelle in Deinem Briefe heißt: „Ich packein meine Stube, so lange noch was hineingeht." Wohldem, der eine große Stube, ein großes Herz und ein großesLeben hat. Mein ganzes Herz hat ein einziges Wesen gefüllt,und mein ganzes Leben. Doch, liebe T..., stehen auch vonDir schöne Abbildungen darinnen; aber Alles dem Wesen zuLiebe, das wohl gerne unter Bildern weilt, die ihm nahe stehen,weil sie schön sind.
Das Hütchen ist schön, recht schön, und hat Freude gemacht,— das ist hier ein Werth, der unersetzlich ist; laß nur denguten Ludo nicht im Stich; der Anderen Bemühen in unseremHans ist und bleibt doch nur ewig schöne Aufwallung undAnwandlung.
Ich werde in Zukunft immer mich an Dich wenden, liebeT...; denn Dein Wesen scheint mir recht herzlich und froh,auch bist Du mit Dir selbst eins, weil Dein Loos schön ist, wieDu in meines guten Bruders Armen. Wenn Du mir aufdiesen Brief bald antwortest, so bin ich recht fröhlich, und jetzthabe ich doch wieder etwas zu hoffen.