10 »
Tröstendste, ja das einzig Mögliche. Ich habe viele gute Freunde,aber sie sind es nur wegen meines äußeren Wesens, ins Innerekann die Freundschaft niemals blicken, da reicht nur die Liebehin, ohne zu verwunden; die Liebe suchet sich in Einem, und dieFreundschaft sucht Einen für sich. —
Es ist schon wieder ein Tag vorüber. —
Ich hätte Dir diesen Brief schon gestern schicken können,aber Du dauertest mich, ich dachte: morgen wird dir vielleichtwohl sein und da kannst du der T... was schreiben, worübersie sich freut; aber es ist nicht so geworden. Ich bin mit Fleißspazieren gegangen, habe aber die Freude draußen nicht gefunden.
Sie blüht mir nicht in Thälern, nicht auf Höhen,
Nicht in dem Wolkenflng; nicht in der Flut,
Die fort wie Sehnsucht eilt, kann ich sie sehen,
Und aus dem stillen See, der ewig ruht,
Steigt nicht ihr Bild. Es ist schon längst geschehen,
Daß die Natur verlor, was ich mit MuthErringen soll. Drum muß mit meinen SinnenIch ewig der Entflohenen Netze spinnen.
Wenn ich spazieren gehe, dann muß es nicht gut mit mirsein; denn ich kann es dann nicht mehr mit mir aushalten. Ichsehe dann im Gehen immer an die Erde, und oft drehe ichmich um, und sehe traurig zurück. Wenn ich au den Himmelsehe, kommen mir Thränen in die Augen; im Himmel und imeilenden Wasser wohnt eine Sehnsucht, die Alles mit sich hinab-zieht, wie eine Sirene. Darum sehe ich, möchte ich sagen, immerin mich hinein, und spreche mir allerlei Wiegenlieder vor, damitdas weinende Kind in meinem Herzen endlich schweige. Ich binan diesem meinem Kummer nicht Schuld; es ist so, ich kannauch Freuden haben, wie wenige Menschen.
Tief unter mir ist alle Welt geschwunden,
Seit ich an eines schönen Geistes Hand,