Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
93
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S3

Einem frohen Abend, wo er sich überreden ließ, bei Steinleseine Wehmüller vorzulesen, verdankt das geistreich aufgefaßtePorträt von Clemens Brentano, welches dieser Künstler währenddem Vorlesen derselben gezeichnet, und welches wir in Lithographiebesitzen, seine Entstehung.

Vielleicht wäre es den Seinigen damals gelungen, ihn inder Heimath festzuhalten, wenn nicht Professor Schlotthauer beider Durchreise ihn in Frankfurt besucht und ihm Gesellschaft undHilfe für die Rückreise zugesagt hätte. Nun war er nicht mehrzu halten. Am Tage nach Sanct Clemens, den 24. November,reiste er ab, blieb noch eine Nacht in Aschaffenburg bei seinemBruder, der ihn bei der vorgerückten Jahreszeit, mit manchenVorboten seines Hauptleidens und starkem Husten, nur sehrbesorgt ziehen ließ. Nur zu bald zeigten sich diese Besorgnissegerechtfertigt, und schon im Mai war sein Leiden so sehrentwickelt, daß Christian, auf Clemens Wunsch, zu ihm gerufenwurde.

Hatten die beiden Brüder sich auch in manchen Stundenminder nahe gestanden, als zwei originelle, entschiedene Naturen,mit großer Ähnlichkeit und Verschiedenheit, sich wohl zuweilenschroff berührt: so war große, tiefbegründete Liebe und Achtungund die Empfindung, in der Hauptsache gleicher Gesinnung zusein, doch nie in ihren Herzen erstorben gewesen, und es bewiessich jetzt, was Clemens einst aussprach, daß es Augenblickeund Lagen gibt, wo bloße Freundschaft nicht hinreicht, sondernwo es eines vom gleichen Mutterschooße geborenen Helfersbedarf. Christian wurde ihm, wie er ihn einst in andererBeziehung genannt, ein Trost- und Hilfengel. Er pflegte denBruder, den er nicht nur körperlich krank und in der Seele tiefbetrübt fand, dessen Geisteskraft und Klarheit durch vielenGebrauch von Digitalis so gelitten, daß bei ihm zwischenGedanken und Wort oft eine große Kluft war, mit der auf-