Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
92
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Schwägerin um ein Weihwasserkesselchen gebeten:Siehst du,wenn ich wach werde bei Nacht, so greife ich gleich nach demWeihwasser, und segne mich damit: das tröstet mich, und dannkann ich besser für mich und alle Sünder bitten und für dieganze Welt, und sie segnen. So bös und sündhaft ich auchbin, hoffe ich, Gott wird dies doch wohlgefällig aufnehmen undden Segen nicht ganz ohne Frucht lassen; ja ich bin überzeugt,daß solche stillen, einsamen Gebete oft Einfluß auf die Richtungvon Menschen und Schicksalen haben. Wie wirksam war dochdas Gebet jener armen Klosterschwester, welche den Kreuzgangbetend kehrte, während ein berühmter Redner predigte. Diegroßen Bekehrungen, welche darauf folgten und die man seinenausgezeichneten Predigten zuschrieb, zeigte der heilige Geist einererleuchteten begnadigten Seele, als Frucht jenes demüthigenGebetes."

Da kam sein Bruder Georg, seine Schwester Ludovika vonDes Bordes' und sein geliebter Freund Steinle ihn nach Frankfurtzu holen, wo man sein Kommen nicht mehr erwarten konnte.Dort wurde ihm seine Nichte Sophie von Schweitzer, die jüngsteTochter seines Bruders Georg, zu besonders großem Tröste.Sie verstand ihn, sie lauschte seinem Schmerz und suchte ihn zuverscheuchen, und indem sie seine Interessen theilte, gewann sieihm auch wieder rege Theilnahme für die ihrigen ab; auch dieanderen Familienglieder alle bezeigten ihm Liebe. Er verkehrtehäufig mit seinen Freunden Steinle, Steingaß und Anderen,und fühlte sich wohler im heimathlichen Kreis, als er gedacht,und belebte und verschönte ihn sogar öfters, interessirte sich fürdie frohen Feste, welche damals in der Familie gegeben wurdenauf Veranlassung der Verlobung eines seiner Neffen, und besondersfür ein Schattenspiel, welches seine Schwester Des Bordes damalsgedichtet und mit Hilfe seines Bruders Christian und Friedmundvon Arnim's zu befriedigender Aufführung brachte.