Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
90
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Ein andermal äußerte er:All unser Elend ist der Überfluß.

Es gibt nur eine Sünde: Überfluß, und nur eine Tugend: Armuth,Entsagung. Kinder, ihr All' hungert noch nach Menschen, ich bin- auch noch immer hungerig. Man berauscht sich in einander unddas hindert sich selbst zu finden und zu behalten. Das ist meinJammer, daß ich die Menschen so liebe. Ich erschrecke, wennmich Jemand interessirt. Jeder reißt mir wieder ein Stück vonmeinem Leben."

Er gestand mir: Ich bin von Jugend auf und jetzt nochimmer zu stürmisch in Allem. Jedes Glas Wasser, welchesich einschenke, mache ich zu voll, daß es überläuft."

In Bezug auf eine Äußerung über die hohe Lyrik inBettinen's Tagebuch der Liebe: Alles, was man aus sich ^

heraus dichtet und spricht, sollte nur Gott gehören. Alles, was >

uns rührt und jede reine Freude genießen wir mit Unrecht,denn Freude sollte nur Gott haben. Die Liebe, die man zuMenschen hat, ist immer ein Diebstahl, denn nur ihm gehörtdie Liebe; und darum dreht man sich in der Verliebtheit soum und um und stellt sich so toll auf den Kopf, eben weil's ^

Unrechtes Gut ist, weil's gestohlen ist. Deßwegen muß man §

zu jedem Menschen sagen, den man noch sehr liebt: Du !

verdienst es nicht! auch der Schönste nicht, denn Schönheitist nur in Gott."-

In Erwiederung auf die Klage über eine verlorene Hand- !schrift, die ihm sehr lieb gewesen: Man verliert oft Köstlicheresund bemerkt's nicht."

Sie sind nicht so kindlich, wie ich meinte; Sie sind vielverwickelter. Wenn Sie wüßten, wie ich Sie mir gedacht habe,

Sie würden laut schreien vor Jammer, daß Sie nicht so sind."

Endlich sagte er: Da ist eine schöne Gesellschaft beisammen:die Todtkranke, da die hoffärtige Krankenwärterin und zwischenBeiden ein verrückter Poet!"