Auch scheint das Nrtheil richtig, daß ihn die Reaction gegen dieFalschheit und höfische Heuchelei der Welt in die umgekehrte Lügegetrieben und daß Spott und Grobheit fast wie eine Liebkosungbei ihm galten; denn wohl Jeder, der ihn näher gekannt, mußtebemerken, daß er das Gleichgiltige unberührt ließ und von demVerhaßten sich stumm und versteinert abwandte.
So wenig, wie diese Eigenheit, änderte er jemals die in ihmvielleicht durch den Beifall, den seine witzigen, geistvollen Einfällein früher Jugend schon gefunden, mächtig gewordene Gewohnheit,jeden witzigen, treffenden Gedanken, so wie er ihn durchzuckte,auszusprechen; er mußte heraus, oft auf die Gefahr hin, dieMühe und Arbeit von Wochen und Monaten zu zerstören.Vielleicht hundertmal hat er damit und auch dadurch, daß beiihm oft dem tiefsten Ernst ein leichter Scherz oder eine spöttischeAnspielung zur Seite war, nicht nur seine eigne Wirksamkeitvernichtet, sondern auch zu den härtesten und irrigsten Bcurthei-lungen seines Wesens, das mit so heiligem Ernste das eigneHeil und das seiner Nebenmenschen suchte, Veranlassung gegeben.Gar Mancher wurde dadurch verführt, ihn für einen schein-heiligen Heuchler zu halten, der selbst nicht an das glaube, waser Anderen aufreden wolle, indeß dies sich Gehenlassen nur wieder kitzelnde Muthwille eines Kindes war, das sich in der Jugendnicht gewöhnt. hatte, Phantasie und Zunge zu zügeln. Wirdürfen aber nicht vergessen, daß er dabei auch sich nicht verschonte,sondern mit unerbittlichster Schärfe die Geißel seines Witzesgegen sich selbst schwang.
Doch es bleibt noch von seinem Aufenthalt in Berlin zuberichten. Einen Regenschirm trug er niemals, aber wenigstensDreiviertel des Jahrs einen nicht sehr großen grauen Mantel,den man dort nicht neu gekannt, mit verblaßtem, schwarz gewe-senem, sehr hoch stehendem Kragen, den er bis dicht unter dieAugen zog; dabei pflegte er den Hut tief ins Gesicht zu drücken,