Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
67
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mit ihm an einem Hutladen vorbeiging, draußen einen Augenblickzu warten, sie habe in dem Laden etwas zu thun, kaufte darineinen Hut und setzte ihm denselben schnell auf, während sie beimHerabtreten von den Ladenstufen ihm den alten, wie zufällig,vom Kopf gestoßen hatte. Die Straße war gerade nicht belebt,und es würde wohl Niemand es bemerkt haben. Clemens aberschalt heftig ans ihre Hoffart, da er Wohl errieth, daß sie sichseines Hutes geschämt hatte, und da sie, über seinen lautenTadel unwillig, schnell voranging, kam er ihr gleich nachgelaufen,den alten, nun noch beschmutzten Hut auf dem Kopfe, den neuenin der Hand haltend, während er den ganzen Weg fortfuhr zuschelten und ihr die Demuth Christi vorzuhalten. In Bezugans äußern Anstand und Weltsitte, konnte er überhaupt oftverletzend sein. So verlangte in einer höheren Gesellschaft einsteine Dame, daß man ihn ihr vorstellen möge; er weigerte sichdessen, die Dame des Hauses zerrte ihn aber förmlich zu ihremBesuch, mußte aber bald zu ihrem Schrecken hören: „Ich sprechenicht gern mit einer Madame, die 'ne Feder auf dem Kopfe hat,denn sie denkt doch bloß an ihre Feder und dreht den Kopf hinund her, damit die Feder schaukelt."

Dergleichen Eigenthümlichkeiten wären viele noch von Clemenszu erzählen; wie schwer es bei vielen herrlichen Eigenschaftendadurch oft war, mit ihm zu leben, war ihm selbst nicht unbe-kannt, daher er auch das höchste Lob, was er einem ertheilte,in den Worten: „Der verträgt mich," zusammenfaßte. Beigenauerer Beobachtung entdeckte man indeß öfter mit Erstaunen,daß solche Verstöße gegen die Sitte wohl zum Theil aus einerunbegreiflichen Verlegenheit entstanden, welches er selbst sehrtreffend mit den Worten bezeichnete: „Aus lauter Verlegenheitspringe ich durch das Fenster ins Haus." Auch beim Schreibenfür den Druck faßte ihn zu Zeiten diese Verlegenheit, währender sich im Reden viel fließender und origineller ausdrückte.

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