Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

' Halts hat mein Freund im zweiten Theile des Godwi selbstbeschrieben. Den guten Geist dieser Wohnungen, der auch Mariatröstete, in dessen Armen er gern starb, an dessen Brust er wieder, zu erwachen wünscht, dich, mein Savigny, hat er nicht beschriebet.Und wer könnte die ruhige Würde deiner Erscheinung, die stilleGüte deiner Mienen und die liebende Consequenz deines Lebensmit Worten andeuten? Ich mag dich nicht erinnern, was du.für Maria gewesen bist, aber ich bitte dich, wenn die gestorbensind, für die ich lebe, laß mich auch in deinen Armen einschlafen.

Von seiner Krankheit Hab' ich nichts zu sagen. Seine Liebewar sein Leben, seine Krankheit und sein Tod. Bis in demletzten Augenblicke war er thätig wir mußten seiner Begierdezu lesen und zu schreiben auf den Befehl des Arztes nachgeben.Er würde nicht sterben, behauptete dieser, wenn er immerfortschriebe.

Die letzten Hellen Tage und Stunden verdankt er dir,Arnim! Deine Ironie, dein reines Gefühl und dein jugendliches,poetisches Dasein heiterten den Kranken, ach, wie sehr! auf.Nun sterbe ich ruhig, sagte Maria einst lächelnd, ich habe denHumor gesehen. Die Freude, die dir in Tieck's Dichtungengeworden, mag dir belohnen, was du an ihm gethan. Bleibeum Gotteswillen so lustig, wenn du ein großer Physiker *) wirst.

Bon den Anlagen, die mit ihm verloren gegangen sind, hatder Freund nicht zu reden. Nur das darf ich bemerken, daß dieschönsten, lebendigsten Stellen dieses zweiten Theils wenige Tagevor seinem Ende geschrieben wurden. Der Sinn seiner Dich-tungen spricht sich deutlich genug aus; daß in unserem Zeit-alter die Liebe gefangen ist, die Bedingungen des Lebens höhergeachtet sind, wie das Leben selbst, und die Nichtswürdigkeit über

') Arnim beschäftigte sich damals mit Physik; hat auch 17 SS über Electricitätetwas herausgegeben.