Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
26
Einzelbild herunterladen
 

26

die Begeisterung siegen kann, hatte er mit seiner Jugend undseinem Leben bezahlt. Er wandte seine letzten Kräfte auf,Anderen dies Opfer zu ersparen. Streit mit der Liebe warsein Schicksal, Streit für die Liebe sein Beruf.

Nahe an Savigny's Gut lagen hoch und mit einer reizendenAussicht die Trümmer einer Burg zwischen den Ruinenwohnte in einem kleinen Häuschen ein Castellan, bei dem wirin früheren Zeiten oft sehr vergnügt lebten. Es war ein eigenerAufenthalt zwischen den alten Thürmen und Mauern; aus einemTheile der alten Burgkapelle war die Kirche des Dorfes geworden.Maria, der immer mehr seinen Tod sah und wünschte, bat uns,ihn zu dem alten Castellan zu bringen. Hier lebte er einigeWochen oben, fleißig, heiter und freier, je näher sein Tod kam.Savigny und Arnim waren beständig um ihn; die kleine Sophie,des Castellans Tochter, war seine Wärterin.

Von seinem Tode laßt mich schweigen. Ich habe ihn nichtsterben gesehen. Savigny las ihm Tieck's Herkules am Scheide-wege vor:

Und da kommt noch die Ewigkeit,

Da hat man erst recht viele Zeit.""

Maria lachte noch einmal, er drückte Savigny's Handstärker, und Savigny hat ihm nicht weiter vorgelesen.

Man hatte mich auf das Schloß gerufen. Als ich hinauf-kam, saß Savigny an dem alten Thurm und sah still in denAbend. Seine Hand wies mich in die kleine Kirche. Lächelndlag der bleiche Freund in dem besten Ruhebette. Die kleineSophie legte ihm Rosen in die Hände. Als ich heftig an ihmniedersank, um ihn zu umarmen., bat mich das Kind leise:Wecken sie ihn nicht! Er hat lange nicht so gut geschlafen,und wie wird er sich freuen, wenn er aufwacht und die Rosensieht!""