„Dein Reich ist in den Wolken und nicht von dieser Erde,und so oft es sich mit dieser berührt, wird es Thränen regnen."Diese werden gewiß hier in reichem Maße geflossen sein, dochwar die glückliche Folge, daß nach ernster Berathung beschlossenwurde, ihm die Wahl seines künftigen Berufs zu überlassen.Er suchte nun in einer Anstalt der Nachbarschaft die versäumtenSchulstudien nachzuholen und ging dann nach seines Vaters Tode(1797) nach Jena auf die Universität; eine zeitlang soll er auchin Halle gewesen sein.
„Auf diese Weise ward er in die geistigen Strömungenhineingezogen, welche damals den protestantischen Norden Deutsch-lands bewegten, die aber mit ihren grell durcheinander laufendenRichtungen wenig geeignet waren, einem meister- und steuerlosirrenden Dichtergeist, ohne sicheren, religiösen Halt und ohneden wissenschaftlichen Ballast einer gründlichen Schulbildung, aufdem leichten Fahrzeug der Poesie Harmonie und festen Halt zugeben."
Von den Studien- und Collegienheftcn seiner Universitäts-jahre erzählte Clemens wenig, auch hatte er seine rasch voran-schreitende geistige Entwickelung wohl weniger dem in den Hör-sälen Vorgetragenen zu danken, als Selbststudien und seinemUmgang mit den Sternen erster Größe, die damals an jenenUniversitäten, besonders in Jena und im nahegelegenen Weimarglänzten; in deren Kreis durch die Freundschaft von Wielandeingeführt, — der den Enkel seiner Jugendfreundin wie einenSohn aufnahm, — er schnell vertraut wurde.
Zündend und begeisternd müssen solche Berührungen aufdas Gcmüth des Dichterjünglings gewirkt haben; nicht hemmenkonnte er daher auch länger das Ausströmen der inner» Fülle,und schon im Jahr 1798 schrieb er seinen Godwi, den er nachder Vorrede zum ersten Bande (datirt Juni 1800) zu Anfangdes Jahres 1799 vollendete. Also in seinem zwanzigsten Jahre,