Druckschrift 
1 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
8
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sonnig schöne, poetische, großartige Natur so viele Dichter inihrem Schooße gewiegt hat?'

Vor gar vielen Schmerzen, Wirren und bitterer Reue wäreClemens bewahrt geblieben, hätte eine verständige, conseqnenteErziehung früh in dem begabten Kinde etwas von der ruhigenPflichttreue und Kraft zu wecken und zu nähren verstanden,welche seine Großmutter (geboren zu Kaufbeureu, in dervormaligen Reichsstadt, den 5. December 1731) lehrte, ihremVater, Gutermann Edler von Gutevshofen,. practischem Arzt undDecan der medicinischen Facnltät zu Augsburg, zweimal dasOpfer einer lange von ihm gebilligten Neigung zu bringen undzugleich dem geliebten, vortrefflichen Manne, *) dem sie ihreGeistesbildung großen Theils dankte und den sie lange alskünftigen Gatten zu denken gewohnt war, nebst dem Danke auch dieTreue insofern zu bewahren, daß sie ihr Talent in Gesang undClavier, welches er nebst ihrem Geiste ausgebildet, nie mehr übte,damit nicht Andere ernten möchten, was er gesäet.

Aber leider hatte unser Dichter schon früh (1794) die liebeMutter verloren, der es vielleicht gelungen wäre, Glauben undGehorsam, die einzige Schutzwehr gegen Versuchung von Außenund Innen, in ihm zu erhalten, und wenn auch die Erinnerungan sie und einzelne Momente des Zusammenlebens mit ihr,z. B. wie sie heimkehrend am späten Abend noch von einemBettchen ihrer Kinder zum anderen geschlichen, um sie zu segnen,ihm so lebendig geblieben, daß er davon erzählend versicherte, erglaube sich noch von dem Thau auf ihrem Pelzmantel benetztzu fühlen, wenn er auch oft bezeugt, daß solche Erinnerungenihn in den Augenblicken der größten Gefahr mahnend umschwebt,

°)Bianconi, des Fürstbischofs von Augsburg Leibarzt. Dann war sic dieVerlobte Wieland's, dem sie auch nach des Vaters Willen entsagte, deraber bis zu ihrem Tod ihr Freund blieb.