zog, und die Worte vor sich hinmurmelnd: „er ist dahin, aufewig dahin!" gab sie sich ganz ihrem tiefen Schmerzgefühlehin. Eine ihrer Hände hielt mechanisch noch die Waffe, diesie ergriffen hatte, und die jetzt auch zugleich ihrer Stirnezur Stütze diente, während ihre Thränen, die jetzt zum erstenMale ihr Herz erleichterten, in Strömen aus ihren Augenflößen, und ihr Schluchzen so krampfhafter Art war, daß Rosazu befürchten begann, das Herz möchte ihr brechen. Liebeund Mitgefühl lehrten sie das mildeste und schonendste Ver-fahren, das Evelinens Lage gestattete. Ohne den Stromihres Kummers in seinem vollen Laufe aushalten zu wollen,setzte sie sich sanft neben die Trauernde, bemächtigte sich derHand, die regungslos zu ihrer Seite niedcrgesunken war, unddrückte sie abwcchslungsweise an ihre Lippen, ihren Busenund ihre Stirne — bedeckte sie bald mit ihren Thränen; undihr diese Beweise der innigsten und tiefsten Theilnahme ver-schwendend, verschob sie die Anwendung des kleinen VorrathSihrer Trostgrunde auf einen ruhigern Augenblick. Sie ver-harrten indessen in einer so tiefen und leblosen Stille, daßwenn der bleiche Strahl des Mondes auf die zwei schönenund jungen weiblichen Gestalten fiel, er eher Bildsäulen —das Werk irgend eines ausgezeichneten Bildhauers — zu be-leuchten schien, als Wesen, deren Augen noch weinten, undderen Herzen noch schlugen. Die in geringer Entfernung aufden steinernen Bänken hingestreckten Gestalten des FlamänderSund des Vater Aldrovand mit dem glänzenden Brufiharnischund dem schwarzen Mönchsgewande konnten die Körper dererdarstellen, um die die Haupifigurcn trauerten.
Nachdem dieser gewaltige Ausbruch ihres Schmerzes einigeMinuten gedauert hatte, schien ihr Kummer einen ruhigernCharakter anzunehmen; ihr krampfhaftes Schluchzen vcrwan-