Druckschrift 
2 (1855) (1855)
Entstehung
Seite
452
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Intention, wenigstens deni Buchstaben und der Wirkung nachverwandt. Aber sie leidet nicht ganz verlassen! Während inihrer Untersuchung ihr strenger Richter den Stab des Urtheilsüber sie bricht, und. von allen Enden das Publikum seine Steckenund Ruthen der Verleumdung in tausend Splittern ihr insGesicht wirft, was auch bei gemeinen Verbrechern nicht zuentschuldigen ist, bleibt eine hohe und gefeierte Stimme mitgeistlich ritterlicher Bertheidigung für die Unschuld ihrer Gesin-nung treu auf dem Kampfplatz gegen den Richter ihrer Lehre,wenn er ihm gleich die Unzulänglichkeit ihres Ausdrucks vonAnbeginn des Kampfes preisgibt. Rührend ist, daß, als derKampf schon begonnen, ihn sein Gegner mit gewiß aufrichtigerLiebe znm Erzbischöfe weiht. Nun aber scheint der eiferndeAnkläger ihm, allzu harte nicht zu billigende Folgerungen ansden unvollkommenen Ausdrücken seiner, ihm als rechtgläubigbekannten, Freundin zu ziehen und er weigert sich, diese anzu-erkennen; ja er stellt eine mannichfach gleiche Art des Ausdrucksin vielen Stellen gefeierter Heiligen zu ihrer Entschuldigungauf. Und so sehen wir mit ungleicher Mäßigung zwei Geister,welche neben einander zu sehen das Jahrhundert stolz war,gegeneinander öffentlich über die zartesten Geheimnisse derSeelen im heftigen Kampfe, Geheimnisse, welchen noch nie dasWort ein hinreichendes nicht entstellendes Gewand zu gebenvermochte. Ein jeder erscheint in der ganzen Kraft seinerWaffen und ihrer Kunst; die Waffen und die Haltung desVertheidigers der uneigennützigen Liebe aber erscheinen unsreiner und rührender, als die seines Gegners, und die einzelnenBlüthen, welche die Empfindung, seiner Sanftmuth und immerarglosen Haltung im Streite zuzuwerfen, sich gedrungen fühlt,erscheinen uns lieblicher, als der Lorbeer, welcher den siegendenGegner schmückt, Der einzige, höchste, und darum unfehlbareRichter in geistlichen Dingen entscheidet und als habe der